Segeltörn durch die Inselwelt der Tuamotus

01. Mai 2015

   

"Eins war mir bereits nach zwei Tagen klar, wir müssen wiederkommen! Man braucht Zeit um die Schönheit der Tuamotus begreifen zu können."  Ein Törnbericht von Kirstin Großkopf, Pantaenius Schweden.

Als wir uns nach 26 Törns in den Gesellschaftsinseln Französisch Polynesiens (dazu zählen die Inseln Bora Bora, Huahine, Raiatea , Tahaa und Maupiti) dazu entschlossen haben, die Tuamotus auf eigenem Kiel zu entdecken, planten wir diese Reise für unsere zahlreichen Südseeliebhaber, die schon so einige Törns mit uns in der Südsee unternommen hatten. Bereits 3 Mal habe ich auf dem Landwege die Tumaotus bereist und war neugierig geworden, diese Atolle, abseits einer normalen Südseereise, zu entdecken. Doch die Planung und Vorbereitung des Törns erwiesen sich als recht mühsam. Die Yachten mussten besonders ausgestattet werden (z.B. mit Watermaker), die gesamte Proviantierung muss im Voraus geschehen und es ist ein zusätzlicher Versicherungsschutz erforderlich, den wir aufgrund unserer langjährigen Segelerfahrung von unserem Vercharter bekamen.

Am Anfang steht leider immer die recht beschwerliche Anreise. Um die 24h Flug sind es von Paris nach Papeete. Der mit Tiare bemalte Flieger der Air Tahiti Nui stimmte uns schon auf die Südsee ein und spätestens bei dem Anflug auf Papeete mit Aussicht auf Moorea, waren die endlos gefühlten Flugstunden vergessen. Aufgrund von Flugzeitenänderungen  von Air Tahiti, die uns mit einem 1,5 stündigen Flug nach Fakarava bringen soll, müssen wir in Papeete übernachten.  Ein letztes Mal genießen wir nun den Luxuskomfort des neuen Pearl Resorts „Mahana“ mit einem fantastischen türkisen Pool , der in die Lagune des Pazifik übergreift.

Die Tuamotus liegen mit ihren 77 Atollen und einer Ausdehnung von 1600 km östlich von Tahiti in Französisch Polynesien. Die direkte Ûbersetzung des tahitianischen Wortes „Tuamotu“ heißt "von Riffen umgeben“. Daher wurden diese Inseln bis ins 20Jhr. von den Seefahrern gefürchtet und gemieden. Zu den Untiefen kommen starke Strömungen denen man auch im Zeitalter von GPS genügend Aufmerksamkeit schenken sollte. Unsere Yachten, zwei Katamarane (Lagoon 500 und Bahia 46) wurden in vier Tagen von Raiatea aus nach Fakarava überführt. Bedingt durch den recht konstant wehenden Nordostpassat und der Interkontinental Strömung erfolgt diese Etappe fast immer unter Motor. Diese Strapaze kombiniert mit Jetlag wollten wir uns ersparen und keine Zeit von unseren nur kostbaren 14 Tagen in den Tuamotus verlieren.

Mit Verspätung landet unser VT –Flug gegen Sonnenuntergang auf der Korallenrunway, des 2. grössten Atolls Französisch Polynesien in Fakarava, welches 60 km lang und 25 km breit ist. Mit 6 benachbarten Inseln wurde dieses Atoll  bereits 1971 aufgrund ihrer Naturschönheit und Einzigartigkeit in Fauna und Flora unter Unesco Bisopherenschutz gestellt. Die Inselhaupstadt  Rotoava, ein verschlafendes kleines Örtchen, mit einer Kirche die bereits  1874 auf das Riff gebaut wurde, ein Bürgermeisteramt mit benachbarter Schule, zwei Lebensmittelläden, eine Boulangerie sowie eine Aufklärungsstation der Unesco. Dort erwerben wir für 5 Euro ein T-Shirt und unser Geld wird dafür in den Lagunenschutz investiert. Dieses gibt uns ein gutes Startgefühl!

Wie überall auf den Taumotus findet man auf Fakarava zahlreiche Perlenfarmen der schwarzen Tahitiperle.
Nahezu alle Tahitiperlen kommen aus den Tuamotus oder den Gambiers.
Die Wasserqualität ist hier am Besten für die Zucht geeignet. Gleich am ersten Tag, nachdem die Yachten übernommen wurden, Massen von Proviant  kontrolliert und verstaut wurde, landen wir durch Zufall auf einer Perlenfarm. Die Farm umfasst 3 Häuschen aus Panadanusholz, direkt über der Lagune gebaut. Wie auf allen Inseln lebt ein Grossteil der Bevölkerung von der Perlenzucht. Direkt auf der Farm können wir mit verfolgen, wie in die Austernmuschel (Pinctada) ein Fremdkörper eingesetzt wird. Ein komplizierter Prozess der nur von Spezialisten beherrscht wird. Diesen Eindringling wird die Auster in den nächsten 3 Jahren  als Abwehrreaktion mit einer Perlmuttschicht umwickelt, danach kann die Perlenernte erfolgen. Während dieser Zeit  muss die Auster jedoch regelmässig von Algen und Parasiten befreit werden. Wir bestaunend eine Austernwaschanlage, in der pro Tag über 15.000 Muscheln gewaschen werden. Gleich am 1 Tagen kehren wir mit leeren Geldbeuteln, aber strahlenden Augen und zahlreichen Tahitiperlen zurück zur Yacht! Wofür mehr Geld? Die nächsten Tage werden wir von den Schätzen der Lagune und von Kokosnüssen leben.

Unser 1. Segeltag führt uns zum Nordpass Garuae, indem der aus der Lagune setzende Strom bis zu 6 Knoten betragen kann. Der beste Zeitpunkt eine Lagune zu verlassen oder einzulaufen ist der Zeitpunkt kurz vor dem Wechsel der Gezeiten, denn dann besteht fast Stillstand der Wasserbewegungen. Durch die Gezeiten sind  die  Strömung der Pässe berüchtigt. Absolute genaue Navigation, Wind- und Ortskenntnisse sind bei dem Ein- und Auslaufen der meisten Pässe erforderlich. Etwas mulmig beobachten wir unseren ersten Passen und verfolgen wie die steilen spitzen Wellen  des auslaufenden Wassers auf die langen Pazifikwogen stossen. „Nehmt den Pass immer am Rand, nie in der Mitte...“ hatte man uns mit auf dem Weg gegeben. Das tun wir und mit einer „Rauschefahrt“ Fahrt schieben wir uns durch den Pass von Fakarava auf den tiefblauen Pazifik. Zum Pass nach Otugi auf Toau sind es nur knappe 15 Sm. Schon von weitem sehen wir den mit Palmen umrahmten Riffbogen des Atolls.

Auf Toau leben nur knapp 40 Personen. Eine Bilderbuchinsel von Robinson Cruso! Die Farben der Lagunen sind faszinierend. Unsere Augen können sich kaum an den leuchtenen Türkistönen des Wasser sattsehen. Die Natur ist beeindruckend, endlose schneeweiße palmenumsäumte Strände und nicht ein Anzeichen von Zivilisation. Paradiesisch! Lautlos gleiten unsere beiden Katamarane auf einen Ankerplatz vor dem Motu Hoturorau. Schnell sind das Dingi und die Kanus zu Wasser gelassen und auf geht´s zur Inselentdeckung!

In den Lagunen ist bei der Navigation Vorsicht geboten. Unser Kartenplotter zeigte uns häufig nur weiße Flächen an. Das heißt die Augapfelnavigation ist zwingend erforderlich und ein Einlaufen in den Pass nach 15.00 kaum mehr möglich. 

Die lauen Abende verbringen wir meist in den Netzen des Katamarans und genießen die farbenprächtigen Sonnenuntergänge. Eine weitere Segeletappe bringt uns in den Norden nach Toau. Neugierige Fregattvögel begleiten uns stundenlang und inspizieren unser Schiff.

In der Anse Amyot lebt Valentina mit ihrer Familie und Schwester Liza. Schon von weitem empfängt uns Valentina mit einem kleinen Holzboot und leitet uns zu einer Moorings direkt in einem toten Pass. Hier war einst ein Lagunendurchgang in dem sich das Riff jedoch wieder geschlossen hat. Die Pässe sind aufgrund des Fischreichtums eines der schönsten Plätze für Schnorchler und Taucher. Wir liegen nun im Pass aber zugleich auch geschützt wie in Abraharmsschoss. Sofort geht bei uns an Bord ein reges Treiben und Suchen nach Schnorchelausrüstungen los. 

Wir können direkt an unserer Yacht die vielen bunten Korallenfische bewundern, wie in einem Aquarium. Selbst auf Mantas treffen wir... unsere Haie (kleine und recht ungefährliche ..... so sagt man), die schon unsere regelmäßigen Aussenbordskameraden geworden sind, lassen selbst Brigitte und Helgard nicht mehr aus der Ruhe bringen. Haie, verschiedenster Arten, sind auf den Tuamotus überall anzutreffen, für die tahitianischen Kinder oftmals deren Spielkameraden. Leider hat sich der Bestand dieser beeindruckenden Fische auch hier in den letzen Jahren deutlich reduziert. Frankreich hat ein Gesetz verabschiedet, was das fischen von Haien in Französisch Polynesiens strengsten untersagt. Die Strafen sind hoch. Dennoch blüht der Schwarzhandel, denn nur zu attraktiv ist der Preis der Flosse auf dem asiatischen Markt. 

Valentina betreibt eine kleine Fischfarm. In den Fischfallen werden vor allem Papagaienfische gefangen und auf dem Markt nach Tahiti/Papeete verkauft. Liza bringt diesen Fisch mit ihrem kleinen 100Ps Aussenborder ausgestattetes Boot nach Fakarava, wo ein Versorgungsschiff die Ware entgegen nimmt. Hin und wieder wird der Fisch auch gegen Waren von Tunfischfischern, die hier gelegentlich an die Moorings gehen, eingetauscht. Ein Lebensmittelgeschäft gibt es auf Toua nicht. Man lebt von den Früchten der Natur und Lagune. Das dieses auch glücklich macht, sehen wir an den strahlenden Augen unserer Gastgeber. Mit Stolz wird uns deren kleines Motu präsentiert. Ein kleines Fare, welches als Raum für Gesellschaften dient (auch wir werden den Abend hier verbringen), ist kunstvoll mit Blühten der Tiare und Frangipani sowie mit zahlreichen Muschel- und Korallenschätzen geschmückt. Vor dem Haus auf einem kleinen Steg befindet sich das Nest von Omo Omo, ein Fregattvogelbaby, welches von seiner Mutter verstossen wurde und lauthals nach Fisch verlangt. 

Bereits seit 3 Monaten wird Omo Omo hier aufgezogen und noch weitere 4 Monaten wird es dauern, bevor der kleine Schreihals flügge ist! Ein Naturparadies ohne gleichen! Zahlreiche Stachelrochen umtummeln zudem den Steg und nicht zu vergessen, der zahme Napoleonfisch, der jeden Morgen pünktlich um 7.00 sein Frühstück abholt.

Voller Stolz präsentiert Valentina uns auch ein Gästebuch in dem sich viele Weltumsegler verewigt haben. Begeistert blättern wir die Seiten durch und finden sogar Bobby Schenk.

Die Polynesier lieben Besuch und sie lieben es zu feiern. Noch von weitem hören wir die Töne Valentina´s Ukule , während uns die beiden Haushunde zum donnernden Außenriff begleiten. Am Abend heißt es „Parerotime.“ Schön haben wir uns für das UPA UPA- Fest gemacht. Noch schnell werden Gastgeschenke zusammen gesucht: Boddylotion, Reis, T-Shirts, Gewürze... die Freude bei unseren Gastgebern ist groß und wir genießen das Fest bei Poisson Cru, Mahi Mahi und Kokosnusskuchen unter dem funkelnden Kreuz des Südens. Zu unserer Abreise werden wir von Valentina noch ausreichend mit Fisch versorgt, denn leider befindet sich bei uns kein Angler an Bord ... besser gesagt, keiner der den Fisch töten will. Zudem muss man etwas achtsam mit dem Angeln sein. In einigen Lagunen ist das Fischen aufgrund der Cinguatera –Infektion, eine Fischvergiftung, die durch die Korallen in die Nahrungskette gelangt und recht gefährlich für den Menschen sein kann, kaum mehr möglich. Fatal für die Inselbewohner, da deren Hauptnahrungsmittel der Fisch ist. Hauptverursacher die globale Erwärmung.

Nur 30Sm von Toau entfernt liegt der Pass von Pakaka auf Apataki. Auf Apataki wird in der Lagune per Apnoe auf 35m Tiefe nach dem seltenen Me´rous und den Puddingwifes  getaucht. Eine Delikatesse. Die Lagune hat 2 Pässe, Tehere und Pakaka mit Flughafen und im Südwesten dem idyllischen Ort mit klangvollem Namen Niutahi. Wir überqueren die Lagune zum Motu Rota Ava, wo Familienmitglieder von Valentina eine Perlenfarm betreiben. Auf der Farm treffen wir auf einen franz. Weltumsegler, der sich mit seinem Katamaran hinter einem Korallenwall ein sicheres Plätzchen auf dem Motu gesucht hat und auf der Farm mithilft. Er plant hier eine kleine Werft zu bauen. Welch Lebenskünstler!!! 

Der Star vom Motu Rota Ava ist Oskar Tamaru, ein zahmer 1,8 m langer Hai, der regelmäßig an den Strand  kommt und darauf wartet mit Fisch gefüttert zu werden. Selbst die Streicheleinheiten von uns genießt er genüsslich!  

Eine herrliche Nachtfahrt bringt uns auf das 75sm entfernte Rangiroargiro, das grösste Atoll franz. Polynesiens. Um 6.00 Uhr müssen wir Tiputa, den Südpass, erreicht haben. Später ist ein Einlaufen aufgrund der starken Strömung und Kabbelsee nicht mehr möglich. Wir ankern vor dem Kia Ora, das einzige grössere Hotel auf Rangiroa. Für die Tuamotus fast zu viel Tourismus für uns. Die Lagune von Rangiroa ist, wie nicht anders erwartet, traumhaft!

Ein Motu schöner als das andre. Man braucht jedoch Zeit und oft unterschätz man das Ausmass der Laugunen. Nicht vergleichbar mit denen der Gesellschaftsinseln, wo man in einer Tagesetappe das gesamte Atoll entdecken kann. Z.B. beträgt die Strecke vom Südpass Rangiroas bis zu den Motus der berühmten „Pink  Sands“ knapp 50SM.

Etwas neidisch betrachte ich unseren franz. Tourguide Polo, den wir auch als Skipper der Lagoon 500 engagiert haben. Mit Engelsgeduld wartet er im Dingi auf seine Schützlinge, die sich Schnorchelnd durch den Pass von Tiputa treiben lassen. Dabei dreht er sich genüsslich eine Zigarette. Polo kennt die Tuamotus wie seine Westentasche. 6 Monate hat er mit seiner Familie in den Gebieten von Apataki gelebt. Seine Tochter ist an Bord geboren. Er selbst hat Südfrankreich vor mehr als 20 Jahren verlassen und brauchte 10 Jahre um Tahiti zu erreichen, da er zwischendurch in Südafrika, den Philippinen, Brasilien, Neuseeland und Australien stoppte. 

Am letzten Tag auf Rangiroa besuchen wir eine kleine Muschelfarm in Tevaro. Vater, Mutter und Tochter leben hier sehr bescheiden, ich wage kaum ärmlich zu sagen, von dem Verkauf von Muscheln. Ich frage mich nur, wer kommt hier vorbei und kauft Muscheln? Alle Jahre vielleicht einmal ein Tourensegler? Die Gastfreundschaft ist enorm. Sofort werden uns frische Kokosnüsse angeboten (eine köstliche Erfrischung) und die Muschelsammlung präsentiert. Die Muscheln werden auf recht beschwerliche Weise auf dem Aussenriff bis zu einer Tiefe von 3m gesammelt und dann zu kunstvollen Ketten weiterverarbeitet. Wir erwerben wunderschöne Ketten, lassen noch einen Teil unseres Proviantes dort und hoffen, dass wir die erstandenen Schätze durch den Zoll in Deutschland bekommen.

Ranigiroa verlassen wir durch den Pass Ava Toru mit geringer Strömung. Zwei gestrandeten Yachten am Passrand lassen jedoch vermuten, was hier bei schlechter Witterung los sein kann. Auf dem Pazifik werden wir von einer Delfinschule mit weit über 50 Tieren empfangen. Sie  begleiten uns fast eine Stunde und unsere Kameras laufen auf Hochtouren. 40Sm herrlichste Segelbedingungen unter Spi, bringen uns auf unsere letze Insel Tikehau, die auch als Robinsoninsel bezeichnet wird.  Von Tikehau geht es zurück nach Raiatea, in einer Etappe mit 180sm.

Etwas wehmütig sitzen wir beim letzten Sundowner und Hinano (tahit. Bier) und schauen auf die glitzernde  Lagune Tikehaus und lauschen der Ukulelemusik eines lokalen Radiosenders. Viel zu schnell vergingen die Stunden im Paradies der Tuamotus. Wir lassen die Etappe revuepassieren und können uns nicht entscheiden, welches der schönste Platz war... FAKARAVA, TOAU, APATAKI, RANGIROA oder TIKEHAU? Ein Atoll schöner als das andere aber dennoch unterschiedlich. Eines ist uns jedoch klar geworden, wir werden wiederkommen, um dieses fantastische Stückchen Erde weiter zu entdecken.