Es sollte ein entspannter Tag in den schwedischen Ostschären werden. Während sich die Yacht mit Standgas langsam aus der Bucht herausbewegte, ertönte nach gut 200 Metern Fahrt einer der insgesamt vier im Schiff verteilten Rauchmelder.

Deutschlandweit gilt mit wenigen Ausnahmen seit einigen Jahren eine Installationspflicht von Rauchmeldern in Wohnungen und Häusern. Der Erfolg der Initiative bestätigt die Dringlichkeit dieser Art von Prävention, denn in der Vergangenheit erlag ein Großteil der bundesweiten Brandopfer nicht den Flammen selbst, sondern einer Rauchvergiftung. In der Sportschifffahrt existiert diese Regelung bisher nicht. Dabei sind die kleinen Kisten auf Schiffen nicht minder effektiv, wie der folgende Fall beweist.

Es sollte ein entspannter Tag in den schwedischen Ostschären werden als der Eigner der Segelyacht Koopmans Frisian 40 SOLVEIG, mit seinem Mitsegler in den Buchten Hummelsviksfjärden südlich der Insel Ringsön am Morgen des  4. Juli 2015 Anker aufgingen. Während sich die Yacht mit Standgas langsam aus der Bucht herausbewegte, ertönte nach gut 200 Metern Fahrt einer der insgesamt vier im Schiff verteilten Rauchmelder. Unter Deck stellte der Mitsegler fest, dass eine starke Rauchentwicklung von der Achterkabine ausging und allem Anschein nach ihren Ursprung unter der Matratze der Eignerkabine hatte, wo sich das Ladegerät für die Motorenbatterie befand.

Ein Unglück kommt selten allein
Von seiner Crew alarmiert, übergab der Skipper das Ruder und begab sich selbst unter Deck. Als er das unter der Matratze befindliche Kojenbrett anhob, schlugen ihm bereits die Flammen ins Gesicht. Geistesgegenwärtig entleerte der erfahrene Segler einen kompletten Feuerlöscher in den Flammen, wurde dann jedoch von den immer weiter zunehmenden Rauchmengen zum Verlassen der Kabine gezwungen. Da sich der Brand gleich neben dem Motor abspielte und sich im Stauraum selbst ausschließlich elektrische Geräte befanden, galt es zunächst den Motor abzustellen und die Motorelektrik zu trennen. Der Skipper leitete also ein schnelles Ankermanöver ein, stellte den Motor aus und begab sich erneut unter Deck um den Motorhauptschalter abzuschalten. Im gleichen Moment loderten die Flammen in der Eignerkabine erneut auf. Trotz Atemnot entschloss sich der Skipper einen weiteren Feuerlöscher in den Flammen zu entleeren und warf schließlich die Branddecke über den Flammenherd. Ein dritter Feuerlöscher war mittlerweile durch den dichten Rauch nicht mehr ohne Gefahr für Leib und Leben zu erreichen. Mit letzter Kraft gelang es ihm, einige der brennbaren Gegenstände aus der Kabine zu ziehen und in die Plicht zu geben. Dann nahm der Rauch überhand und der Skipper war gezwungen das Schiffsinnere zu verlassen.

Allen Versuchen zum Trotz griff der Anker nicht und eine Windböe drückte SOLVEIG mit dem Bug frontal auf einen Fels. Die 40 Fuß Yacht drehte sich und legte sich seitlich an den Fels, wobei jedes passierende Schiff SOLVEIG anhob und unsanft auf den steinernen Untergrund setzte. Der Ernst der Lage war offensichtlich und so entschloss sich die kleine Crew über Kanal 16 einen Notruf abzusetzen. Ein Rettungsboot machte sich sofort auf den Weg, sollte jedoch mindestens 30 Minuten bis zur Unglücksstelle benötigen. Auf Zuruf stoppte eines der in die Bucht einlaufenden Schiffe und brachte per Beiboot einen weiteren Feuerlöscher auf die mittlerweile von Rauch eingehüllte SOLVEIG. Aus Furcht, das Feuer könnte sich weiter ausbreiten, begab sich der Skipper mit einem nassen Tuch vor dem Mund ein drittes Mal unter Deck entleerte auch diesen Feuerlöscher, ohne noch genau ausmachen zu können, woher der Rauch zu diesem Zeitpunkt genau kam. Um das Feuer zu ersticken, wurden die Luken zur Achterkabine mit nassen Handtüchern verstopft und die Gasflaschen abgedreht.

Rettung im letzten Moment
Nach einer halben Stunde traf das Rettungsboot ein, dessen Besatzung jedoch aufgrund der immensen Rauchentwicklung entschied, die Feuerwehr zu Hilfe zu rufen. Bis diese eintraf vergingen weitere 30 Minuten und als diese eintraf, wurden die beiden Segler sofort an Land gefahren und von einem Rettungswagen versorgt. Erstaunlicherweise trug keiner der beiden ernsthafte Verletzungen davon. SOLVEIG hatte jedoch weitaus merklicher gelitten.

Nachdem die Flammen gelöscht waren, hatte die Feuerwehr mit einem Kompressor den Rauch aus dem Schiffsinneren herausgeblasen. Das gesamte Schiffsinnere war dementsprechend mit einer grauen Schicht aus Löschpulver bedeckt. Brandursache war laut Aussage der Feuerwehr ein Defekt im Batterie zu Batterie Ladegerät, welches die Bugstrahlruderbatterie mit Strom versorgen sollt. Die Feuerwehr hatte es durch abschneiden der Kabel kurzerhand entfernt. Die komplexe Bordelektronik der Yacht, die insgesamt drei Batterien aufwies, war schwer beschädigt.

Trotz niedriger Spannung gelang es den Motor zu starten und unter Begleitung des Rettungsbootes bis nach Trosa zu gelangen. Die unsanfte Berührung mit dem Fels hatte glücklicherweise keine schweren Schäden hinterlassen. Noch am selben Abend machten sich die Segler an die Reinigung der Schiffsinneren. Mit Ausnahme der Achterkabine, die durch die Gefahr giftiger Dämpfe immer noch nicht zugänglich war, konnten die schlimmsten Spuren des Brandes noch vor Ort beseitigt werden. 

Prävention zahlt sich aus
Dank des so beherzten wie besonnenen Eingreifens und der frühen Alarmierung der Besatzung durch die installierten Rauchmelder war der Schadenumfang den Umständen entsprechend moderat. Einiges an Ausrüstung, Bekleidung und Bordelektronik war durch Rauch und Löscharbeiten zwar irreparabel beschädigt worden, das Schiff selbst jedoch gerettet. Gemessen an der Pantaenius Schaden Statistik ein außerordentlich glückliches Ende eines bedrohlichen Szenarios, denn noch ist Feuer die häufigste Ursache von Totalverlusten bei Segel- und Motoryachten.

Michael de Boer von der Pantaenius Schadenabteilung staunte nicht schlecht, als der Eigner von SOLVEIG bei der Schadenmeldung angab, seinen ersten Rauchmelder bei einem Pantaenius Gewinnspiel ergattert zu haben. Vom Pantaenius Bericht animiert, hatte er sich daraufhin entschlossen, drei weitere Rauchmelder zu kaufen und fortan auf Nummer Sicher zu gehen. Eine Entscheidung, die sich auszahlen sollte. Pantaenius organisierte die Überführung der Yacht nach Wedel und beauftragte die Yachtwerf Wegener mit der Reparatur aller entstandenen Schäden. In diesem Jahr segelt SOLVEIG wieder in der Ostsee und geht mit gutem Beispiel voran. Rauchmelder retten nämlich nicht Leben, sondern auch geliebte Schiffe.

Sehen Sie alle Bilder vom Vorfall in der Fotostrecke.

 
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