Wenn Langfinger auf Beutezug sind

100-prozentigen Schutz gibt es nicht, aber man kann es den Dieben verdammt schwer machen

Ob Teil- oder Komplettdiebstahl – im Yachtbereich wird meist sehr professionell und gezielt zugeschlagen. Der Versicherungsspezialist Pantaenius ist den Ganoven ständig auf der Spur: Mit einem weltweit einzigartigen Fahndungssystem und effektiven Präventionsmaßnahmen gehen die Yachtexperten gegen die Langfinger vor. Aber manchmal sind selbst ihnen die Hände gebunden.

Über 290 Teilschäden und Totalverluste durch Diebstahl werden Pantaenius durchschnittlich jedes Jahr gemeldet. Das entspricht einem jährlichen Schadenaufkommen von rund 1,6 Mio. Euro. Damit ist Diebstahl die fünfthäufigste Schadenursache (elf Prozent) bei Pantaenius - es sind übrigens die Kollisionsschäden, die seit einigen Jahren den ersten Rang in den Statistiken belegen.

Anders als bei Haus- oder Autoeinbrüchen handelt es sich im Yachtbereich jedoch in der Regel nicht um Beschaffungskriminalität, sondern um ganz gezielte Serieneinbrüche. Der Grund: Das Diebesgut ist deutlich schwieriger zu veräußern. „Vor allem hochwertige Navigationselektronik und Außenbordmotoren stehen auf der Liste der Einbrecher, und die haben halt nur einen sehr eingeschränkten Abnehmerkreis“, berichtet Holger Flindt, Leiter der Schadenabteilung bei Pantaenius. Und trotzdem gehen die Versicherungsexperten teilweise ganz konventionelle Wege, um den Dieben auf die Schliche zu kommen. „Bei Serieneinbrüchen lohnt auch mal ein Blick zu eBay, wo wir schon die eine oder andere Hehlerware aufspüren konnten.“

Gerade beim organisierten Diebstahl hochwertiger Luxusyachten heißt es, schnell zu handeln. „Ein beliebter Kanal für gestohlene Yachten führt von der Adria und Cote d’Azur ins Schwarze Meer, da vor allem in Osteuropa eine große Nachfrage nach den edlen Booten besteht“, so Flindt. „Für uns ist es ganz wichtig, die Schiffe zu finden, bevor sie den Bosporus passieren. Deshalb arbeiten wir eng mit der türkischen Coast Guard und den Lotsen zusammen. Ist das Schiff erst mal im Schwarzen Meer, dann haben wir kaum noch Zugriffsmöglichkeiten.“

Der Grund: Gutgläubig erworbenes Diebesgut kann beispielsweise in Russland nicht zurück verlangt werden. „Das kann schon ziemlich frustrierend sein“, weiß Flindt aus eigener Erfahrung zu berichten. So hat sein Schadenteam durch intensive Fahndungsarbeit eine gestohlene Motoryacht auf Seengewässern bei Moskau wiedergefunden. Obwohl einwandfrei nachgewiesen werden konnte, dass es sich um das gesuchte Objekt handelt – in den Papieren stand sogar noch der alte Schiffsname – sind Pantaenius aufgrund der russischen Rechtslage die Hände gebunden. „Da der jetzige Besitzer belegen konnte, dass er das Schiff tatsächlich gutgläubig von einem Händler – der natürlich nicht mehr aufzufinden ist – erworben hat, haben wir keine Möglichkeit, das Schiff zurückzubekommen.“

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