Eines schon mal vorweg: Bei Wassereinbruch im Schiff ist fast jedes Mittel recht, um das Leck zu stopfen oder zumindest die eindringende Wassermenge zu reduzieren. Denn die Leckageabwehr hat oberste Priorität.

Wer glaubt, dass er mit seiner elektrischen Bilgepumpe gegen die Wassermassen ankommt, der irrt in der Regel, wie ein einfaches Rechenbeispiel zeigt.

Durch ein Loch mit einer Größe von 10 cm², das 20 cm unter der Wasseroberfläche liegt, fließen etwa 120 Liter Wasser in der Minute. Das sind rund zwölf Wassereimer voll. Durch dasselbe Loch fließen 220 Liter in der Minute, wenn es sich 80 cm unter der Wasserlinie befindet. Diese Wassermassen sind mit einer handelsüblichen Elektropumpe nicht zu bekämpfen. Ein weiteres Problem: Da die Batterien aus Gewichts- und Stabilitätsgründen in der Regel möglichst weit unten gestaut werden, ist bei Wassereinbruch ein Kurzschluss eigentlich vorprogrammiert, sodass die elektrischen Lenzpumpen nicht mehr zu gebrauchen sind.

Eine äußerst sinnvolle Ergänzung sind deshalb motorgebundene Impellerpumpen. Sie sind deutlich leistungsfähiger und durch ihre Kopplung mit der Hauptmaschine auch dauerhaft einsatzbereit. „Leider gehören diese Pumpen so gut wie nie zur Serienausstattung von Yachten“, bedauert Holger Flindt, Leiter der Schadenabteilung bei Pantaenius. „Aber die Nachrüstung ist gar nicht so teuer, wie man annehmen mag. Schon für wenige Hundert Euro kann man sich eine gute Lenzeinrichtung einbauen. Und das ist durchaus sinnvoll.“

Ein weiterer Tipp von Flindt: Mit einer Umschaltvorrichtung kann der Kühlwasserkreislauf der  Hauptmaschine so eingestellt werden, dass der Motor das erforderliche Kühlwasser nicht außenbords aufnimmt, sondern aus dem Inneren des Schiffes. Dann wird die Hauptmaschine zur zusätzlichen Lenzpumpe.
Ein Problem, dass immer wieder bei Leckagen auftritt, sind Bilgen, die als Stauraum genutzt werden. Flindt: „So werden beispielsweise gerne Konserven in der Bilge gelagert. Wenn die mit Wasser in Berührung kommen, dann lösen sich die Etiketten, die wiederum die Bilgepumpe verstopfen.“ Deshalb sei es wichtig, die Bilge sauber und frei von Staugut zu halten.

Wird ein Wassereinbruch festgestellt, dann ist schnelles und entschlossenes Handeln gefragt. Die Lenzpumpen müssen sofort aktiviert werden. Und es muss herausgefunden werden, wo sich das Leck befindet. Dann sofort den Wassereinbruch eindämmen. Das kann im ersten Schritt mit Polstern, Lappen oder Ölzeug geschehen. Oder es hält einfach einer seine Hand auf das Loch, drückt den Fuß dagegen oder setzt sich darauf. In der Zwischenzeit tragen andere Crewmitglieder Materialien zur Legeabwehr zusammen. Parallel dazu sollten andere Verkehrsteilnehmer vorsorglich auf die Situation aufmerksam gemacht werden, zum Beispiel per Funk, und zur Sicherheit ein mögliches Verlassen des Schiffes vorbereitet werden.

Das Hauptaugenmerk liegt aber weiterhin auf der Leckageabdichtung. Je nach Beschaffenheit des Lochs können dazu Weichholzstopfen, Leckpilze oder Kanthölzer genutzt werden. Auch Segel oder Persenninge können außenbords über den Rumpf gezogen werden. Mithilfe des Wasserdrucks wird das Loch dann durch die Persenning von außen verschlossen. Deshalb sollten auch Motoryachten immer ein Lecksegel mit an Bord führen.

Reicht dann immer noch nicht aus, dann nicht zögern, auch die Einrichtung wie Schubladen oder Holzverkleidung zur Hilfe zu nehmen. „Es ist durchaus nachvollziehbar, dass sich ein Eigner scheut, seine hochwertige Mahagonieinrichtung auseinanderzunehmen“, so der Schadenexperte. „Aber um Schiff und Leben zu retten, ist jedes Mittel recht sein.“ Deshalb sollten Hammer und Säge auch zur Standardausrüstung an Bord gehören.

Und wenn gar nichts mehr hilft, dann ist es immer noch besser, sein Schiff kontrolliert auf Grund zu setzen als es komplett zu verlieren. „Am Strand kann es immer noch geborgen werden. Und der Schaden ist deutlich geringer als bei einem gesunkenen Schiff“, erläutert Flindt.