Ein Mastbruch gehört so ziemlich zu den bittersten Erfahrungen, die ein Segler machen kann. Wenn nur das Rigg ruiniert oder das Schiff beschädigt ist, dann kann sich der Eigner noch glücklich schätzen. Nicht selten kommen jedoch auch Menschen zu Schaden. Trotzdem ist das Rigg für viele Segler ein „Buch mit sieben Siegeln“, um das sie lieber einen großen Bogen machen, anstatt sich um Pflege, Wartung und Reparaturen zu kümmern.

„Es ist erstaunlich, wie sorglos Touren-, aber auch Regattasegler mit einem so lebenswichtigen Bestandteil wie dem Rigg umgehen“, berichtet Holger Flindt, Leiter der Schadenabteilung von Pantaenius, dem Versicherungsspezialisten im Wassersport. Da werde häufig mehr Wert auf äußere Schönheitsreparaturen gelegt, als sich um sicherheitsrelevante Belange zu kümmern. Diese Erkenntnis kommt nicht von irgendwoher: Der Schadenexperte hat schon unzählige Masten und stehendes Gut als Sachverständiger unter die Lupe genommen und teilweise haarsträubende Zustände vorgefunden. Der Grund ist für Flindt ersichtlich und im Ansatz sogar verständlich: „Es besteht häufig einfach kein Verständnis für das Rigg. Aufbau, Struktur, Material und Belastung haben eher etwas mit Maschinen- als mit Bootsbau zu tun.“ Das könne aber kein Grund dafür sein, die Augen vor dem Gefahrenpotenzial zu verschließen. Genau das ist jedoch häufig der Fall.

Expertenwissen zurate ziehen

Leider gibt es kaum hilfreiche Literatur dazu, wie man als Laie Verschleiß- und Ermüdungserscheinungen erkennen kann. Man muss schon sehr gute Fachkenntnisse haben, um Schwachstellen zu identifizieren. Flindt rät deshalb, einen professionellen Rigger zurate zu ziehen, insbesondere, wenn es um Modifikationen geht. „Die Investition ist auf jeden Fall gut angelegt und steht in keinem Verhältnis zu einem möglichen Mastbruch.“ Ganz zu Schweigen von der Verantwortung, die der Eigner gegenüber seiner Crew hat.

In welchen zeitlichen Abständen ein eingehender Riggcheck vorgenommen werden sollte, hängt dabei ganz von der Nutzung und dem Einsatz des Schiffs ab. Das Rigg eines Regattaschiffs, das an der Atlantic Rally for Cruisers teilnimmt, wird sicherlich mehr beansprucht als ein Tourenboot, das im Jahr 1000 Seemeilen über die Ostsee bewegt wird.

Eine Hausnummer besagt, dass etwa alle 15.000 Seemeilen das stehende Gut wie Wanten, Stagen und Aufhängungen ausgewechselt werden sollten. „Bei einem 33-Fuß-Schiff kommen da Kosten von rund 1400 Euro zustande. Ein neuer Mast ist deutlich teurer“, so der Pantaenius-Experte. Beim Kauf eines gebrauchten Schiffs aus zweiter oder dritter Hand ist meist nicht bekannt, wie viele Seemeilen das Rigg schon gesegelt wurde. Aber zumindest sollte der Käufer im Vorwege den Mast legen und ihn eingehend auf Haarrisse und Verschleißerscheinungen überprüfen, bevor die endgültige Kaufentscheidung getroffen wird.

Auf Riggeinstellung und -trimm achten

Nicht zu unterschätzen sind nach Ansicht von Flindt, auch die richtige Masteinstellung und der Trimm. „Ich habe es schon erlebt, dass Crews nach dem Winterlager mit losen Wanten losgesegelt sind, weil sie sich auf das Personal der Marina verlassen haben. Es ist aber nicht die Aufgabe des Kran-Teams, den Mast richtig einzustellen.“ Wer sich nicht sicher ist, sollte deshalb beim ersten Maststellen einen Fachmann hinzuziehen, der einmal das Rigg optimal stellt. Der Eigner kann sich dann entsprechende Markierungen machen und im nächsten Jahr den Mast selber trimmen.

Und auch mit dem richtigen Trimm sollten sich gerade Fahrtensegler auseinandersetzen. Anders als auf Regattaschiffen wird dem Trimm auf Tourenbooten häufig wenig Bedeutung beigemessen, da Geschwindigkeit nicht Priorität hat. Der falsche Trimm kann den Mast und das stehende Gut jedoch langfristig unnötigen Belastungen aussetzen. Hilfreich ist deshalb, den Boots- oder Masthersteller anzusprechen, der in der Regel umfangreiche Anleitungen zu Riggeinstellung und -trimm bereitstellen kann. Auch der Segelmacher Ihres Vertrauens ist immer ein guter Ansprechpartner.