Vor einigen Jahren fegte ein Orkan mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 170 km/h über die Westküste der Baleareninsel Mallorca hinweg. Am stärksten betroffen war der malerische Ort Puerto Andratx, wo rund 60 Schiffe zum Teil schwerste Schäden erlitten.

Stürmische Zeiten auf MallorcaZahlreiche große Segler, Yachten und Motorboote wurden vom Wind von ihren Moorings gerissen. Sie trieben durch den Hafen, beschädigten andere Lieger und liefen auf der Mole auf Grund oder zerschellten an der Kaimauer. Allein von Pantaenius, dem führenden europäischen Yachtversicherungsspezialisten, waren 23 Yachten mit einem Versicherungswert in Höhe von 3,5 Millionen Euro involviert.

„Unser Büro in Palma de Mallorca hat sofort einen Sachverständigen hingeschickt, der noch in der Nacht die ersten Bergungen organisiert hat“, erläutert der Leiter der Pantaenius-Schadenabteilung Holger Flindt. Schadenbegrenzung hatte höchste Priorität, aber bei zwei der 23 Yachten war nichts mehr zu retten, sie erlitten Totalschaden. Nach Einschätzung des Pantaenius-Experten liegt der Gesamtschaden, den der Orkan in Puerto Andratx angerichtet hat, im siebenstelligen Bereich.

Dass Mallorca im Herbst von starken Stürmen heimgesucht wird, ist nichts Ungewöhnliches. Ab Ende August kommt es immer wieder zu kurzen, starken Regenfällen begleitet von Sturmböen und Gewitter, wodurch der Oktober statistisch der niederschlagsreichste Monat des Jahres auf der sonst sonnenverwöhnten Insel ist. Erst kurz zuvor hatte ein Wirbelsturm vor allem in der Hauptstadt Palma Schäden in Millionenhöhe verursacht. Innerhalb von zehn Minuten fielen 20 Liter Regen pro Quadratmeter. Laut Zeitungsberichten sei es das schwerste Unwetter seit September 2001 gewesen, als ein Sturm 500.000 Bäume entwurzelte und eine Flutwelle zahlreiche Yachten aus den Leinen riss.

Pantaenius Mitarbeiter bei einer BergungFlindt erklärt, warum solche Stürme im Mittelmeer so verheerende Auswirkungen haben können: „Hier gibt es viele Naturhäfen, die schutzlos der Dünung ausgesetzt sind. Da vielerorts die Schiffe an Moorings festgemacht werden, ist das Risiko umso höher. Moorings bieten im Vergleich zu den relativ sicheren Schlengelanlagen in nordeuropäischen Häfen ein deutlich größeres Gefahrenpotenzial.“

Nicht selten seien die Mooring-Ketten verschlissen und würden bei großer Belastung brechen. Oder die Mooring ist nicht für die Dimensionen der befestigten Yacht ausgelegt. „Oft handelt es sich aber einfach um falsches Handling“, so der Schadenfachmann. Schiffsführer, die mit Moorings nicht vertraut sind, sollten sich deshalb genau erklären lassen, wie es richtig gemacht wird, beispielsweise vom Hafenmeister oder Vercharterer.