Interview mit Daniel Baum von der „Elan“-Crew über die Pantaenius Rund Skagen-Regatta 2014

Interview mit Daniel Baum von der „Elan“-Crew über die Pantaenius Rund Skagen-Regatta 2014

Daniel, die wievielte Rund Skagen-Regatta war das für Dich in diesem Jahr?
So genau kann ich das gar nicht sagen. Mit 14 oder 15 Jahren war ich das erste Mal dabei. Es müssten also mittlerweile mindestens 15 Rund Skagen-Rennen gewesen sein.

Wird das nicht irgendwann langweilig? Du musst die Strecke ja schon im Schlaf kennen.
Überhaupt nicht! Ich bin schon viele Langstreckenrennen gesegelt, zum Beispiel Fastnet Race oder Helgoland-Edinburgh. Aber die Rund Skagen-Regatta ist für mich etwas Besonderes. Zum einen ist es bei uns in der Familie Tradition daran teilzunehmen, nicht nur weil unsere Firma Pantaenius Sponsor und Namensgeber ist. Wir waren hier schon am Start, lange bevor wir uns mit dem Unternehmen bei dieser Regatta engagiert haben. Zum anderen erfordert dieses Rennen eine riesige Bandbreite seglerischer Fähigkeiten, sodass man immer wieder aufs Neue gefordert ist. Langeweile kommt da mit Sicherheit nicht auf.

Kannst Du das genauer beschreiben?
Die Route führt durch so viele unterschiedliche Seegebiete – Nordsee, Ostsee, Skagerrak, Kattegat. Das ist taktisch schon sehr anspruchsvoll und abwechslungsreich. Und auch beim Wetter muss man auf alles gefasst sein: Wir hatten schon die härtesten Schwerwetterbedingungen – wie zum Beispiel 2010, als viele aufgeben mussten – und mindestens ebenso viele Flautenrennen, die nicht weniger hart sein können, zumindest für die Nerven.

Wo würdest Du die diesjährige Regatta einordnen?
In der Berichterstattung hieß es, dass diese Pantaenius Rund Skagen-Wettfahrt wohl in die Geschichte als das Rennen mit den besten Segelbedingungen eingehen wird. Dem kann ich eigentlich nur zustimmen. Leichter bis mittlerer Wind aus einer guten Richtung, keine Welle, angenehme Temperaturen. Es waren traumhaft schöne Tage auf See.

Warum dann nur „eigentlich“?
Bis kurz vor dem Ziel war es ein nahezu perfektes Rennen für uns. Wir kamen zwar nicht sonderlich gut aus dem Start, haben uns aber kontinuierlich gesteigert und uns im Laufe des Rennens an die Spitze der Gesamtwertung gearbeitet. Doch dann – kurz vor Kiel Leuchtturm – gerieten wir in eine Flaute, die uns mindestens drei Stunden und den Sieg gekostet hat. Letztendlich sind wir nach berechneter Zeit auf dem 16. Platz gelandet. Wenn ich daran denke, wird mir jetzt noch schlecht. Segeln kann so grausam sein.

Und da war nichts mehr zu machen?
Wir haben wirklich alles versucht und gefühlte hundertmal den Spi gesetzt, um ein paar Meter voranzukommen. Es war einfach nur schrecklich.

Wie hat die Crew reagiert?
Wir haben das letztendlich ganz gut weggesteckt. Irgendwann muss man so eine Situation sportlich sehen. In der Verzweiflung haben wir darüber diskutiert, ob es nicht jetzt an der Zeit wäre, ins Wasser zu springen und das Boot anzuschieben. Mein Vater ist in der Hoffnung unter Deck gegangen, dass, wenn er schlafen geht, vielleicht Wind kommt.

Du segelst häufig mit Deinem Vater zusammen Regatten. Ist eine Familien-Crew aus Deiner Sicht ein Vorteil oder eher ein Nachteil?
In vielen Punkten verstehen wir uns blind. Wenn es beispielsweise um die Wahl der Segel oder die Taktik geht, sind wir oft einer Meinung. Aber bei anderen Punkten geraten wir immer wieder aneinander, und dann können auch mal die Fetzen fliegen. Für mich ist Harald Baum nicht einfach der Eigner, sondern mein Vater. Und ich bin für ihn nicht nur der Wachführer, sondern der Sohn. Allerdings können wir durch die direkte Art Probleme auch schnell aus der Welt schaffen.

Ist das manchmal auch ein Kampf der Generationen?
Mit Sicherheit! Mein Vater hat gerne die Fäden in der Hand, ob als Familienvater, Skipper oder Unternehmer. Aufgrund seiner Erfahrung wägt er Entscheidung sehr genau ab. Wenn man jünger ist, dann ist man hingegen risikobereiter. Familien-Crews sind so eine Sache und ganz figelinsch. Man ist auf so einem Schiff aufeinander angewiesen, will aber gleichzeitig seine Position behaupten. Da bastelt man sich schon mal seine eigene Wahrheit zurecht. Die Realität liegt vermutlich irgendwo in der Mitte. Aber trotz aller Kabbeleien, es macht unglaublich Spaß.

Das heißt, bei Pantaenius Rund Skagen 2016 seid ihr mit der „Elan“ wieder dabei?
Auf jeden Fall! Das hat bei uns Familientradition.




Die Swan 48 „Elan“ der Familie Baum ist zwar schon über 40 Jahre alt, kann beim Handicap-Segeln mit modernen
Racern aber durchaus mithalten. Foto: Andreas Lindlahr

Weitere Informationen und Ergebnisse zu Pantaenius Rund Skagen 2014: www.nordseewoche.org

 
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