Optische Täuschung

Versicherungsbetrug ist alles andere als ein Kavaliersdelikt. Immerhin liegt der wirtschaftliche Schaden allein für die deutsche Versicherungswirtschaft Schätzungen zufolge bei jährlich bis zu 4 Mrd. Euro.

Vor allem gut organisierte Banden haben die Versicherungsbranche für ihre kriminellen Machenschaften entdeckt. Das Nachsehen haben die ehrlichen Kunden, die den Verlust mit erhöhten Beitragssätzen bezahlen müssen. Der Yachtversicherungsspezialist Pantaenius ist Betrügern deshalb hartnäckig auf der Spur, um sich selbst und seine redliche Kundschaft zu schützen. Mit Erfolg, wie der nachfolgende Fall zeigt.

Dass ein Schiff als gestohlen gemeldet wird, ist bei Pantaenius erstmal nichts Unge-wöhnliches. In diesem Fall handelte es sich um die 40 Fuß lange Segelyacht „S.“, ein Van de Stadt-Selbstbau aus dem Jahr 2008, die im September 2010 im schwedischen Karlskrona entwendet worden sein soll. Routinemäßig beauftragte Holger Flindt, Leiter der Pantaenius-Schadenabteilung, den Marine Claim Service (MCS) mit der Fahndung. Schnell stellte sich heraus, dass hier etwas nicht stimmt.

Die Yacht verfügte nämlich über ein baugleiches Schwesterschiff, die „F.“, die zu dieser Zeit am südschwedischen Falsterbo-Kanal lag. Beide Boote sind von demselben Eigner bei Pantaenius versichert worden. Fotos, die eine schwedische Detektei von der „F.“ in Falsterbo machte, wiesen erhebliche Ähnlichkeiten zur gestohlenen „S.“ auf. Zwar hatte die „F.“ einen Rumpf aus Mahagoni und die „S.“ wurde zuvor dunkelgrau lackiert, aber es gab doch Anzeichen, die die Spürnasen von MCS aufmerksam machten. Und wenn die Yacht-Jäger erst mal so ein Gefühl im Bauch haben, dann lassen sie nicht so schnell locker.

Zu Recht, wie sich bei den weiteren Recherchen in Karlskrona, rausstellen sollte. Da stießen die Ermittler tatsächlich auf Touristen, die Fotos von dem Yachthafen gemacht hatten. Und was war darauf zu sehen? Ein Mahagoni-Schiff, das jedoch einen grauen Spiegel mit dem Schriftzug „S.“ hatte. Damit ging die Detailarbeit erst richtig los. Zusammen mit der forensischen Abteilung der Kriminalpolizei Malmö wurde das vorliegende Fotomaterial genauestens unter die Lupe genommen. Maserungen des Mahagoni-Rumpfes sowie kleine Kratzer wurden verglichen. Außerdem identifizierten die Ermittler weitere Reste von dunkelgrauer Klebefolie auf Deck und im Cockpit, sodass sich der Verdacht eines Betrugs erhärtete.

„Alles deutete darauf hin, dass die „S.“ eigentlich die „F.“ ist und mit grauer Klebefolie getarnt wurde“, mutmaßt Flindt. Als die „S.“ gestohlen gemeldet wurde, haben die Betrüger einfach die Folie abgezogen, und zum Vorschein kam die „F.“, die dann nach Falsterbo verlegt wurde.

Ob es überhaupt jemals ein zweites Schiff gab, oder ob die eigentliche „S.“ noch irgendwo existiert, ist unklar. Zumindest hat Pantaenius aufgrund der Beweislage die Schadenregulierung abgelehnt. „Das war ein ganz abgebrühter und von langer Hand geplanter Betrugsversuch“, bestätigt Flindt. „Ich freue mich, dass wir gemeinsam mit MCS und allen anderen Beteiligten den Gaunern einen Strich durch die Rechnung machen konnten.“