Auch das stehende Gut der Takelage unterliegt Ermüdungs- und Verschleiß-problemen. Hierzu die Einschätzung der Firma Sailtec, in Zusammenarbeit mit Navtec Rodrigging.

Mastbruch in Griechenland September 2011Die Risiken:

Verbiegen / Knicken

Takelage aus Rod, aber auch Draht ist empfindlich gegen Verbiegen und Knicken. Das passiert sowohl bei intensiver Segelei als auch beim Auf- und Abriggen sowie Lagern.

Überlastung

Harte Beanspruchung im Schwerwetter-Einsatz und falsche Trimmung des Mastes können zur Überlastung einzelner Wanten und damit zum Versagen von Want und Mastfitting führen.

Schütteln / Schlagen

Lose Takelage in Lee hängt durch und schlägt im Seegang. Das optimale Rigg ist mit Togglen (Gelenkstücken) ausgerüstet, die das Verbiegen der Wanten vermeiden helfen. Bei längerer Fahrt unter Motor, speziell im Seegang, werden Mast und Takelage anders beansprucht als beim Segeln.

Korrosion

Je nach Revier und elektrischer Isolation im Rigg kann es zu Korrosion von Riggteilen kommen. Auch bei nicht rostendem Stahl.

Was sollte der Yachteigner tun?

Lassen Sie Ihr Rigg regelmäßig vom Fachmann prüfen! Ein typisches Beispiel für optimierte Fittings sind Führungshülsen für das Rod, die mit einer Indikationsrille ausgerüstet sind, die lange vor dem Versagen des Wantes anzeigt, daß hier Materialermüdung vorliegt. Am Ende des Terminals oder Wantenspanners versagen Wanten typischerweise zuerst.

Natürlich hängen Wartungsintervalle vom Nutzungsgrad der Yacht ab. Die genannten Intervalle gelten für durchschnittliche Freizeitnutzung und normale Belastung. Wir unterscheiden drei Prüfstufen:

1.   jährliche optische Überprüfung

Vor dem Auftakeln des Mastes sollte das gesamte Rigg einer optischen Prüfung unterzogen werden. Das muß nicht unbedingt ein Rigger übernehmen. Rost, „Langlöcher“ in den Terminals, verbogene Bolzen, jede Art von Knickung usw. stellen Warnzeichen dar, die jeder Eigner selbst erkennen kann.

Achtung:

„Zurückbiegen“ eines geknickten Drahts oder Rods kuriert das Problem nicht!

Nicht vergessen:

Wantenspanner jedes Jahr neu fetten! Jedes Want mit erkennbaren Beschädigungen sollte ausgewechselt werden – nicht erst dann, wenn ein Kardeel gerissen ist. Abschließend wird das Rigg wieder installiert und neu eingetrimmt.

2.   gründliche Prüfung alle vier bis fünf Jahre

Diesen Job sollte ein Fachmann durchführen. Das Rigg wird vom Mast abgenommen, Terminals so weit wie möglich demontiert. Rißprüfung läßt strukturelle Ermüdung erkennen. Jedes Fitting wird genau geprüft. Schadhafte Teile werden ausgewechselt. Mastbeschläge werden auf Risse, Korrosionsschäden, Überbelastung geprüft und ggf. ausgewechselt. Vorstagen innerhalb von Rollreffs sind kritisch, weil nicht sichtbar. Rigg-Isolatoren ebenfalls. Die Rollanlage soll in allen Komponenten geprüft werden.

3.   Grundüberholung alle acht bis zehn Jahre

Mastbeschläge werden demontiert, das Rigg zerlegt und alle oben genannten Prüfungen durchgeführt. Zusätzlich wird der Mast unter den Beschlägen auf Korrosion und Schwächung geprüft. Alle verschlissenen Teile an Mast und Rigg werden ausgewechselt, besonders stark belastete Teile (Vorstagen usw.) werden grundsätzlich erneuert.