Kleingedrucktes mit großer Wirkung

Jetzt mal ehrlich! Lesen Sie sich wirklich die Versicherungsbedingungen durch, bevor Sie einen neuen Vertrag abschließen? Teilweise über ein Dutzend DIN A4-Seiten zieht sich das Kleingedruckte mit einer Schriftgröße hin, die selbst mit Lesehilfe nach wenigen Zeilen Kopfschmerzen verursacht. Von den verschachtelten Endlossätzen in kryptischem Juristendeutsch ganz zu schweigen. Hier ein paar Tipps für den Umgang mit dem Paragrafen-Dschungel.      

Selbst Gunnar Brock gibt zu, im Privatleben nicht jeden Versicherungsvertrag en détail durchzulesen. Dabei hat er nun wirklich keine Schwierigkeiten damit, den Inhalt zu verstehen. Als Justiziar beim Yachtversicherungsspezialisten Pantaenius beschäftigt er sich tagtäglich mit dem Kleingedruckten.

Aber er kann die Resignation vieler Kunden verstehen. „Deshalb haben wir versucht, die Pantaenius-Bedingungen so auszuarbeiten, dass sie auf ein beidseitig beschriebenes DIN A4-Blatt passen“, sagt Brock. Außerdem habe der Gesetzgeber vor fünf Jahren festgelegt, dass jedem Versicherungsvertrag ein sogenanntes Produktinformationsblatt als Orientierungshilfe beigelegt werden müsse. „Das verschafft schon mal einen ersten, wenn auch nur groben Überblick.

Die Unterschiede liegen im Detail

Kleingedrucktes mit großer WirkungVor allem auf drei Dinge sollte der Versicherungsnehmer zumindest achten: Was ist wo und wogegen versichert (Versicherungsgegenstand)? Was ist nicht versichert (Ausschlüsse)? Welche Pflichten hat der Versicherte (Obliegenheiten)?

Geht es um Ausschlüsse, dann sollte der Yachteigner genau hinschauen, denn hier gibt es doch gravierende Unterschiede zwischen den verschiedenen Angeboten. Ein Beispiel: Verschleiß oder gewöhnliche Abnutzung sind grundsätzlich vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Aber wie sieht es mit Folgeschäden aus? „Wenn aufgrund einer alten Saling der Mast bricht, dann ist der Mastbruch ein Folgeschaden. Bei vielen Versicherungen ist das nicht gedeckt. Bei Pantaenius, aber auch bei anderen Anbietern, ist jedoch nur der Verschleißschaden nicht gedeckt, der Folgeschaden – in diesem Fall der Mastbruch – hingegen schon“, erläutert Brock. Es lohnt sich also, hier genau zu vergleichen.

Besonderes Augenmerk sollte der Kunde auch auf seine Obliegenheiten, also Verhaltensmaßregeln, im Schadenfall legen. Die zwei wichtigsten sind laut Brock: die unverzügliche Meldepflicht und schadenmindernde Maßnahmen. „Viele Versicherungsnehmer versäumen es, einen Schaden umgehend ihrer Versicherung zu melden“, bestätigt Brock. Dies kann dann zu Problemen führen, wenn der Schaden dadurch vergrößert oder nicht mehr genau festgestellt werden kann.  

Nichtstun ist die schlechteste Lösung

Ein klassisches Beispiel: „Ein Kunde meldet eine Grundberührung. Und der Sachverständige stellt fest, dass der Rumpf nicht nur aktuelle Schäden aufweist, sondern auch Beschädigungen aufgrund einer früheren Grundberührung, die den neuen Schaden verstärkt hat. Der Eigner hatte die frühere Grundberührung jedoch nicht als sonderlich dramatisch angesehen und deshalb nicht gemeldet. Nun muss auseinandergerechnet werden, welcher Schaden alt und welcher neu ist.“  Deshalb weist Pantaenius immer wieder darauf hin, im Zweifelsfall auch harmlose Vorkommnisse zu melden. Brock weiter: „Unsere Schadenexperten entscheiden dann, ob eine Begutachtung des Unterwasserschiffs erforderlich ist. Für den Kunden entstehen – zumindest bei Pantaenius – keine Kosten, denn die Inspektionskosten sind in der Versicherung mit abgedeckt.“

In einem anderen Fall hat der Yachteigner versäumt, Maßnahmen zu ergreifen, um den Schaden so gering wie möglich zu halten, berichtet der begeisterte Segler: „Die Yacht war im Hafenbecken gesunken und wurde geborgen. Nun müssen unter anderem Konservierungsmaßnahmen für den Motor vorgenommen werden, damit das Salzwasser nicht die Maschinenanlage angreift. Das wurde jedoch nicht gemacht, und der Motor wurde zum Totalschaden.“

Aber kann man wirklich von dem Eigner verlangen, dass er immer weiß, was das richtige Vorgehen ist? Brock: „Nein, natürlich nicht. Das erwartet auch nicht der Gesetzgeber, der dem Versicherungsnehmer zugesteht, letztendlich falsche oder erfolglose Maßnahmen zu ergreifen. Deshalb sollen uns die Kunden ja sofort informieren, im Notfall auch über unsere 24/7-Helpline, damit wir mit Rat und Tat zur Seite stehen können und gegebenenfalls Maßnahmen einleiten können. Aus Unwissenheit einfach nichts zu tun, ist jedoch die denkbar schlechteste Entscheidung.“