Die Bergung der MY „Ocean One“ war für Pantaenius eine Herausforderung der besonderen Art. Mit viel Erfahrung, Improvisationstalent und einem hochmodernen Simulations- und Rechenprogramm ist das Kunststück gelungen.

Es war eigentlich eine der letzten Probefahrten, bevor die stolze Motoryacht „Ocean One“ endgültig in Betrieb gehen und an den Eigner übergeben werden sollte. Als der 58 Meter lange Neubau von der Werft im ägyptischen Suez aufbrach, war die Besatzung noch guter Dinge. Doch dann kam alles ganz anders. Denn während einer kurzen Mittagspause wurde die Crew plötzlich durch den Bilgenalarm aufgeschreckt.

Durch einen der drei Jet-Antriebe strömte Wasser ins Schiff. Als der Kapitän feststellte, dass der Wassereinbruch nicht zu stoppen war, tat er das einzig Richtige: Er ließ umgehend den Anker ausrauschen, startete die Maschine und steuerte auf schnellstem Weg den Werfthafen an. Dort lenkte er die „Ocean One“ einfach mit dem Bug auf die dortige Slipanlage und verhinderte damit den Totalverlust der Yacht. Trotzdem sank das Schiff an der Pier bis auf den Grund, sodass das Hauptdeck komplett geflutet wurde.

Was war passiert? Pantaenius schickte sofort zwei Mitarbeiter nach Suez, die den Schaden zusammen mit einem örtlichen Sachverständigen begutachteten. „Wir haben ziemlich schnell festgestellt, dass sich ein Kantholz im Impeller verkantet hatte“, erläutert Holger Flindt, Leiter der Pantaenius-Schadenabteilung, der vor Ort war. „Aufgrund der dadurch entstehenden Vibrationen ist ein Inspektionsdeckel herausgeflogen und das Wasser konnte ungehindert über die Dinghi-Garage in den Maschinenraum eindringen.“

Richtig schwierig wurde es bei der Bergung der 35-Millionen-Euro-Yacht. „Die Angebote von zwei Bergungsfirmen kamen für uns einfach nicht in Frage, da sie unseres Erachtens total überhöht waren“, erklärt Flindt. Also nahm der Yachtversicherungsspezialist, der über reichlich Erfahrung mit schwierigen Bergungsprojekten verfügt, die Sache selber in die Hand. „Allerdings haben die äußeren Rahmenbedingungen die ganze Aktion ziemlich erschwert. In Ägypten ticken die Uhren halt etwas anders, darauf muss man sich einstellen. Von überallher mussten wir Bergematerial besorgen. Auch die Infrastruktur ist gewöhnungsbedürftig. Und die Kommunikation mit der Werft und den beteiligten Unternehmen lief auch nicht immer reibungslos.“

Die eigentliche Herausforderung war jedoch, die Yacht zu heben. Dazu sollte der starke Tidenhub von gut 1,5 Meter ausgenutzt werden. Zuerst wurde das Leck verschlossen. Dann sollte bei Niedrigwasser möglichst viel Wasser aus den gefluteten Abteilungen gepumpt werden. Flindt: „Das Problem dabei: Es bestand akute Kentergefahr.“

Also schaltete Pantaenius den Germanischen Lloyd (GL) als zuständige Klassifikationsgesellschaft ein. Pantaenius und der GL haben beide ihre Unternehmenszentralen in Hamburg und sitzen nur einen Steinwurf voneinander entfernt. „Wir arbeiten häufig zusammen, man kennt sich gut“, bestätigt Flindt. Der GL ließ die Baupläne der „Ocean One“  durch seine hochmodernen Softwares laufen, um die Flutungsszenarien und Ballastanforderungen zu berechnen.

„In einem Zeitraum von insgesamt 2 Wochen wurde intensiv an mehreren Berechnungen und Vorschlägen für die Bergung gearbeitet. Was zeigt, wie komplex dieser Vorgang war. Schließlich zeigte das Simulationsergebnis, auf welche Weise es möglich sei, das Schiff zu heben“, so Flindt. Fast fünf Tage dauerte dann die Bergung vor Ort. Nachdem die Yacht endlich aufschwamm, konnte sie mithilfe eines Slipwagens an Land gezogen werden.

Der Aufwand hat sich gelohnt: Nicht nur, dass auf den kostspieligen Einsatz eines Schwimmkrans verzichtet werden konnte. Da Pantaenius die Durchführung selber übernommen und nicht an ein Bergungsunternehmen vergeben hatte, konnten zusätzlich zwischen 800.000 und 1 Millionen Euro gespart werden. Insgesamt belief sich der Schaden an der „Ocean One“ auf über 10 Millionen Euro.