Jeder ist ein Lebensretter

Was mach ich, wenn es brenzlig wird? Weiß ich, was zu tun ist? Verliere ich die Nerven?

Jeder hofft, dass er niemals Erste Hilfe leisten muss – ob nun im Haushalt, im Straßenverkehr oder auf dem Wasser. Wenn es dann aber doch soweit ist, stehen viele der Situation hilflos gegenüber.

Jeder kann zum Lebensretter werden, denn davor drücken kann man sich nicht. Im Notfall Erste Hilfe zu leisten, ist eine Bürgerpflicht, unterlassene Hilfeleistung strafbar. Der häufigste Grund, warum Menschen auf ein Unglück mit Tatenlosigkeit reagieren, ist weniger ihre Gleichgültigkeit. Eher hemmt sie die Angst, etwas falsch zu machen. „Dabei kann man als Retter eigentlich gar nicht so viel falsch machen“, sagt Holger Flindt, Leiter der Schadenabteilung des Yachtversicherungsspezialisten Pantaenius. Der 44-Jährige ist außerdem Zugführer bei der Freiwilligen Feuerwehr Hamburg und ausgebildet im Rettungsdienst. 

Übung macht den Meister

„Die meisten Leute absolvieren einmal im Leben einen Erste-Hilfe-Kurs, und zwar wenn sie ihren Führerschein machen, und das war’s“, so Flindt. Häufig fehlt schon das einfachste Basiswissen. Flindt empfiehlt deshalb, regelmäßig die Kenntnisse aufzufrischen, schon allein, weil sich die Erste-Hilfe-Medizin immer weiter entwickelt und sich viele Maßnahmen im Laufe der Zeit ändern. Deutsches Rotes Kreuz, Arbeiter Samariter Bund, Johanniter-Unfall-Hilfe und viele andere Organisationen bieten entsprechende Kurse deutschlandweit für kleines Geld an. „Übung bringt Sicherheit. Nur wer weiß, was er im Notfall zu tun hat, der handelt konsequenter und in der Regel auch automatisch richtig.“

Neben Know-how ist auf See vor allem eine gute Notfallausrüstung wichtig. „Ein einfacher Autoverbandskasten ist an Bord nicht ausreichend, denn professionelle Hilfe ist meist weit weg. Da kann man nicht einfach den Rettungswagen rufen, der in fünf Minuten vor Ort ist“, so Flindt. Der Rettungsspezialist von Pantaenius empfiehlt deshalb, die Standardausrüstung gerade für längere Törns um weiteres Equipment, wie beispielsweise einen Beatmungsbeutel, eine Absaugpumpe für die Atemwege, einen Defibrillator und eine Notfall-Apotheke, zu erweitern. Informationen dazu bieten der Fachhandel und einschlägige Literatur.

Seenotrettung ist nicht selbstverständlich

DGzRS im EinsatzKommt es auf See zu einem Notfall und die Gesundheit oder gar Menschenleben sind in Gefahr, dann sollte parallel zu den Erstmaßnahmen ein Notruf abgesetzt werden, um andere Schiffe und den örtlichen Seenotrettungsdienst zu informieren. In diesem Zusammenhang muss mit einem weitverbreiteten Irrtum aufgeräumt werden: Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ist dazu da, Schiffe aus Seenot zu bergen. Falsch! Die DGzRS rettet Menschenleben, technische Hilfeleistungen und die Bergung von Hab und Gut sind nicht Teil der Satzung. „Bleibt Ihr Auto liegen, dann rufen Sie ja auch nicht den Rettungswagen, sondern ein kostenpflichtiges Abschleppunternehmen“, erklärt Holger Flindt. Als gemeinnütziger Verein kann die DGzRS jedoch keine Rechnungen schreiben, deshalb bittet sie nach entsprechenden Einsätzen den Eigner um eine Spende. Von solchen Geldern lebt die DGzRS, die sich ausschließlich durch Spenden finanziert.

Leider hat sich in den vergangenen Jahren die Spendenbereitschaft verschlechtert. Immer mehr Wassersportler nehmen die Leistungen der vielen ehrenamtlichen DGzRS-Helfer einfach für selbstverständlich. „Diese Menschen opfern viel Freizeit und begeben sich teilweise in Gefahr, um anderen zu helfen. Das sollte auch entsprechend honoriert werden. Andernfalls kann sich Deutschland irgendwann keine kostenlose Seenotrettung mehr leisten“, sagt Flindt.

In anderen Ländern oder Regionen ist das bereits der Fall. Und das kann teuer werden. Um sich vor unkalkulierbaren Kosten zu schützen, ist es deshalb ratsam, für solche Seegebiete eine Search & Rescue- oder Insassenunfall-Versicherung abzuschließen. Denn in den gängigen Yacht-Kasko- und -Haftpflichtversicherungen sind zwar Bergungskosten für das Schiff abgedeckt, aber keine Kosten zur Rettung von Menschenleben – einfach weil diese Leistungen in den meisten Ländern kostenlos sind. „Es gibt sogar Regionen, in denen eine Search & Rescue-Versicherung Pflicht ist, um das Fahrtgebiet überhaupt befahren zu dürfen“, so der Schadenexperte von Pantaenius. „Wer einen Törn in ein unbekanntes Fahrtgebiet plant, sollte sich im Vorfeld dringen bei seiner Versicherung erkundigen.“

DGzRS Broschüre in Kooperation mit PantaeniusDie DGzRS und Pantaenius haben gemeinsam die Broschüre „Sicher auf See“ mit vielen wertvollen Tipps herausgebracht. Sie kann bei Pantaenius kostenlos angefordert werden: Tel. +49-(0)40-37 09 12 34 oder per E-Mail unter info@pantaenius.com.

Infos zu DGzRS Broschüre "Sicher auf See"