Gefragt sind gesunder Menschenverstand und gute Seemannschaft

Interview mit Folger Flindt, Leiter der Schadenabteilung von Pantaenius

Gibt es viele Schäden an Yachten durch Sturm?

Flindt: Ja, auf jeden Fall. In unserer Liste der Top 10 Schadenursachen liegen Sturmschäden an dritter oder vierter Stelle.

Was genau sind das für Schäden?

Flindt: In der Regel handelt es sich um Kollisionsschäden durch gerissene Festmacher oder slippende Anker. Die Schiffe gehen dann auf Drift, schlagen gegen die Pier oder kollidieren mit dem Nebenlieger. Manchmal verhaken sich auch die Masten, und das Rigg wird beschädigt. Natürlich verursachen Stürme auch Strandungen, Mastbrüche und Sinkschäden.

Passiert eigentlich mehr im Hafen oder auf hoher See?

Flindt: Ein Großteil der Schäden passiert tatsächlich im Hafen. Vor allem unerfahrene Skipper suchen bei Sturm oft die Nähe zum Land, was ihnen dann zum Verhängnis wird. Die Häfen sind dann oft sehr voll, die Schiffe liegen dicht an dicht. Gerade die weniger geschützten Häfen im Mittelmeer, wo die Yachten römisch-katholisch mit Heck- und Bugleine befestigt sind, bieten dann ein erhöhtes Gefahrenpotenzial.

Was muss ein Skipper machen, damit er den Anforderungen einer Versicherung bei Sturm genügt?

Flindt: Abgesehen von den Hurrikan-Gebieten in der Karibik gibt es bei Pantaenius keinen Anforderungskatalog. Jeder Wassersportler sollte einfach gesunden Menschenverstand und gute Seemannschaft an den Tag legen. Es gibt einen Grundsatz, der besagt: Verhalte Dich immer so als seiest Du nicht versichert. Einige Beispiele: Das regelmäßige Abhören des Wetterberichts, bei Sturm Legerwall meiden, rechtzeitig reffen, Wellen mit sicherer Geschwindigkeit abreiten. Das sind nur einige Punkte, die selbstverständlich sein sollten. Aber Menschen machen natürlich Fehler. Das hat aber nicht zur Folge, dass sie ihren Versicherungsschutz verlieren. Da muss schon grobe Fahrlässigkeit vorliegen.

Was genau fällt unter grobe Fahrlässigkeit?

Flindt: Grob fahrlässig handele ich dann, wenn ich einen Schaden billigend in Kauf nehme oder Sorgfaltspflichten in groben Maße außer Acht lasse. Wenn ich beispielsweise im März bei einer bekannten Vorhersage von 11 Windstärken trotzdem mit meinem Jollenkreuzer nach Helgoland aufbrechen muss, dann ist das sicher grob fahrlässig. Abgesehen von den äußeren Bedingungen fehlt dem Schiff die bauliche Eignung für so einen Trip. In der Praxis ist ein solches Verhalten durch ein bewusstes Begeben in eine gefährliche Sturmsituation aber eher selten.

Gibt es Kriterien an ein Schiff oder an die Fähigkeiten einer Crew, die den Versicherungsschutz beeinflussen können?

Flindt: Die Befähigung des Skippers richtet sich nach den Vorgaben des jeweiligen Flaggenstaates. In Norwegen ist beispielsweise überhaupt kein Befähigungsnachweis erforderlich. In Deutschland benötigt man hingegen für das Führen von Fahrzeugen mit Motor von mehr als 5 PS einen entsprechenden Nachweis. Auch sollten beispielsweise Rudergänger über eine gewisse Qualifikation verfügen. Ein Rudergänger mit einer bekannten Rot-Grün-Schwäche ist für diese Aufgabe ganz sicher nicht geeignet.
Was das Schiffe betrifft, da habe ich ja schon zuvor ein Beispiel genannt. Yachten sind in vier Kategorien eingeteilt. A: Hochsee, B: außerhalb der Küstengewässer, C: küstennahe Gewässer, D: geschützte Gewässer. Wenn ich mit einem Boot der Kategorie C über den Atlantik segeln will, dann bekommt ich ohne Frage ein Problem mit dem Versicherungsschutz.