Welchem Eigner stockt nicht der Atem, wenn sein Schiff am Kran hängt. Ein Boot gehört tunlichst ins Wasser und ist sicher nicht für Flugexperimente gebaut.

Mindestens zweimal im Jahr lässt es sich jedoch nicht vermeiden: Wenn die Wassersportsaison endet oder anfängt, baumeln in Yachthäfen, bei Vereinen und auf Werften reihenweise Motor- und Segelboote an Traversen, Heißstropps und Gurten. Und dem Besitzer steht der Schweiß auf der Stirn: Zu Recht, denn der Kranvorgang birgt besondere Gefahrenpotenziale und komplizierte Haftungsrisiken.

Richtig kranenIn kommerziell geführten Winterlägern übernimmt in der Regel eigenes Personal oder ein Spezialunternehmen die Kranarbeiten. Der Kranbetreiber ist für den ordnungsgemäßen Zustand der Anlage verantwortlich, und dass geeignetes Krangeschirr eingesetzt wird. Ansonsten muss man als Eigner lediglich den Kranmeister über das Bootsgewicht und die Gurtpositionen informieren und seinen Anweisungen folgen.

Entsteht während des Kranens ein Schaden, dann haftet der Betreiber mit seiner sogenannten Hakenlastversicherung, die Teil der Transportversicherung ist. Aber Achtung: Häufig reicht die Deckungssumme nicht aus, um einen größeren Schaden auszugleichen. Nach international gültigem Recht liegt die Haftungshöchstgrenze von Transportschäden bei 9 Euro pro Kilo.

„Kürzlich gab es einen Fall, bei dem ein Karbonmast beschädigt wurde. Schadenhöhe über 20.000 Euro. Durch die Transportversicherung waren jedoch nur 1900 Euro gedeckt“, erklärt Dirk Hilcken, vom Yachtversicherungsspezialisten Pantaenius. Deshalb sei es ratsam, darauf zu achten, dass die eigene Yachtkaskoversicherung – wie bei Pantaenius – auch Transportschäden beinhaltet und die Deckungslücke schließt. Das ist vor allem dann wichtig, wenn man selbst krant, wie es in einigen Yachthäfen üblich ist. Dann nämlich übernimmt der Eigner die Verantwortung für den Kranvorgang.
Komplizierter wird es, wenn das Schiff in einem vereinseigenen Hafen gekrant wird, da es sich hier in der Regel nicht um einen kommerziellen Betreiber handelt. Vor allem kleinere Vereine verfügen häufig nicht über eine Hakenlast- oder Transportversicherung. Sie sind über den Landessportbund versichert. Ob diese Versicherung Kranschäden abdeckt und in welcher Höhe, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden.

Richtig kranenEin weiteres Risiko: Da in Vereinen hauptsächlich ehrenamtliche Mitglieder die Organisation im eigenen Yachthafen übernehmen, fehlt häufig das Know-how, welche Regularien beim Transport auf dem Gelände oder beim Kranen eingehalten werden müssen. Ein Beispiel: Wussten Sie, dass Zugfahrzeuge, die auf dem Vereinsgelände zum Transport von Schiffen auf Hafentrailern genutzt werden, nicht schneller als 6 km/h fahren dürfen? Im Verein hilft jeder jedem, und so soll es ja auch sein. Da stellt gerne der Vereinskumpel seinen Trecker zur Verfügung, der sicher schneller als 6 km/h fahren kann. Kommt es dann zu einem Unfall, eventuell sogar mit Personenschaden, dann haftet keine Versicherung.

Bleibt die Frage, wann handelt es sich denn um einen Transportschaden und wann um einen Kaskoschaden? Beginnt der Transport schon auf dem Weg vom Liegeplatz zum Kran, wenn das Schiff am Kran angeschlagen ist oder erst, wenn es in der Luft hängt? Die Antwort ist wenig befriedigend: Das wird von Versicherung zu Versicherung unterschiedlich ausgelegt.

Fazit ist: Nicht nur der Kranvorgang an sich ist eine diffizile Angelegenheit. „Die Haftung bei Kranschäden ist eigentlich eine einzige rechtliche Grauzone“, so Hilcken. Es gibt Bücherregale voll mit Gerichtsurteilen zu dem Thema. Deshalb rät er, besondere Vorsicht walten zu lassen. „Es sollte darauf geachtet werden, das gutes und adäquates Krangeschirr verwendet wird; der Kran durch jemanden bedient wird, der sich damit wirklich auskennt und keine Hektik entsteht, nur weil jemand anderes drängelt. Und sorgen Sie dafür, dass Unbeteiligte nicht im Gefahrenbereich sind, um Personenschäden grundsätzlich zu vermeiden.“

Kranunglücke passieren auch Pantaenius-Mitarbeitern. Lesen Sie hier die Geschichte unserer Mitarbeiterin Martina Otto