In Timmiarmiut, der Heimat des Eisbären in Ostgrönland

Von dem Pantaenius-Kunden Jørgen Sommer haben wir diesen Expeditionsbericht erhalten.

„Fahr langsam, fahr langsam! Der Eisbär schwimmt direkt vor unserem Bug, nur anderthalb Meter von uns entfernt!”, brüllt ein Mitglied unserer euphorischen, vier Mann starken, Besatzung an Bord der Aquador 25 C. Es ist die vierte Begegnung mit einem Eisbären seit wir vor zwei Tagen in dieser Eislandschaft angekommen sind. Das Eis besteht aus mehrere Jahre altem Salzwassereis, das von Norden aus der Gegend des Pols die ostgrönländische Küste heruntertreibt sowie aus kolossalen Eisbergen aus Süßwasser. Diese kalben die zahlreichen Gletscher im Landesinneren direkt ins Meer. Wir befinden uns mit unserem Schiff auf 62,38° nördlicher Breite, gute 600 km südlich unseres Heimathafens in Tasiilaq auf Breitengrad 65,37°, in der Gegend des früheren Ammassalik. Das ursprüngliche Ziel unserer Expedition war Skjoldungen, eine Siedlung, die in den 1950er Jahren aufgegeben wurde. In dieser Gegend gibt es fantastische naturbelassene Flüsse mit riesigen Forellen. Hier kann man innerhalb von einem Tag leicht den heimischen Forellenbedarf decken und viele Familien durch den bevorstehenden Winter bringen. Das ist das vorrangige Ziel unserer Expedition. Alle drei oder vier Jahre hat man das Glück, ca. weitere 100 km südlich fahren zu können durch das Packeis, und zwar nach Timmiarmiut, eine heute verlassene Wetterstation.

Eine Grönland Expedition

Wir sind insgesamt drei Boote. Alle Mitglieder unserer Besatzung, die „nur“ seit drei Jahren in Grönland waren (als Krankenpflege- und Gesundheitspersonal), haben persönlilche Verbindungen zu den vielen verlassenen Siedlungen, an denen wir im Laufe unserer Reise vorbeifahren. Deren Anblick eröffnet uns ganz neue Dimensionen an individuellen Erinnerungen und Erzählungen, nicht zuletzt, weil die Holzhäuser in Grönland aufgrund des trockenen Frostklimas usw. nicht verrotten. Einer der Teilnehmer ist bei der Wetterstation aufgewachsen. Damals war es ein harsches und extrem isoliertes Leben.

Eisbären, Seehunde und Polarfüchse sind eher neugierig als scheu, und es ist klar, dass sie nie zuvor nennenswerten Kontakt mit Menschen gehabt haben. Das bedeutet, dass man von Eisbären sehr gute Fotos schießen kann und reichlich Seehundfleisch zum Abendbrot hat! Wir fahren wieder Richtung Norden nach Skjoldungen, wo 1½ Tage lang eifrig gefischt wird. Wir nehmen die Forellen aus und lagern sie in blauen Plastikeimern im Eis, wovon es ja reichlich gibt. Der Fjord bei Skjoldungen ist von atemberaubender Schönheit. Wenn die Gletscher kalben, donnern sie steil aus 700-800 Metern Höhe hinunter ins Wasser und erfüllen die Luft mit Eissplittern, die fast wie Schnee aussehen. Nach ca. 15 Minuten herrscht wieder völlige Ruhe und der blaue Himmel kommt zum Vorschein. Die Sichtweite liegt bei über 100 km!

Nach dem Forellenfang heisst es nur noch, so schnell wie möglich wieder nach Norden und nach Hause zu gelangen. Bis auf die letzten 150 km geht alles glatt, als plötzlich ein Riemen am Motor reisst und wir das letzte Stück ins Schlepptau genommen werden müssen. Daran zeigt sich auch, wie wichtig es ist, eine solche Expedition nie allein und nie ohne Besatzungsmitglieder zu unternehmen, die sich mit den besonderen Verhältnissen einer solchen Umgebung auskennen. Schließlich handelt es sich um Fahrten durch dickes Packeis und vorbei an riesigen Eisbergen. Das allein schon kann viele Probleme (und Abenteuer) mit sich bringen, aber wenn dazu der hohe nordatlantische Wellengang kommt, kann es sehr gefährlich weden. Unser Boot, eine Aquador 25 C mit einem 230 PS Volvo Penta-Innenmotor mit Motorträger, hat diese Herausforderungen in den von allen Versorgungsmöglichkeiten abgeschnittenen Gebieten hervorragend gemeistert. Heute wohnen lediglich etwa 3500 Menschen an der ganzen grönländischen Ostküste, was viel über die dortigen Lebensbedingungen und die Unberührtheit der Natur aussagt. Dies zu erleben ist fantastisch.

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