Die Adria ist ein einmaliges Seegebiet, aber auch eine navigatorische Herausforderung. Das bekam auch der Kapitän einer 115 Fuß langen Motoryacht vor der montenegrinischen Küste zu spüren, wo er auf einen unmarkierten Felsen auflief.

Zum Glück war das Schiff bei Pantaenius versichert. Bei Europas führendem Spezialisten für Yachtversicherungen lief wie gewohnt eine aufwendige Bergungsmaschinerie an, um dem Eigner zu helfen.

Ihr Name ist Galiola. Und in der Bucht von Budva ist sie eine berühmt-berüchtigte Untiefe. Sie wurde der Besatzung der Motoryacht vom Typ Pershing 115 zum Verhängnis als sie das montenegrinische Eiland St. Nikola passieren wollte. Mit zehn Knoten lief das Schiff auf den kleinen Felsen auf. Der Bug war schwer beschädigt, Wasser trat in den Dieseltank ein. Glücklicherweise lief nur der Treibstofftank voll, weitere Abteilungen blieben davon weitgehend verschont. Allerdings saß die Yacht fest und konnte ohne fremde Hilfe nicht freikommen.

Schwierige Bedingungen in einem fremden Umfeld

Das waren die Informationen, die die Schadenabteilung von Pantaenius Ende Juli von dem Eigner über der Havarie erhielt. Umgehend wurde der Kooperationspartner beim Marine Claim Service (MCS) informiert, der von Kroatien aus einen Mitarbeiter an die Unglücksstelle schickte. Und auch aus Hamburg machte sich Bergungsfachmann Eico Ehrsam auf den Weg nach Montenegro, um seinen Kollegen zu unterstützen.   

„Bei solch schweren Havarien in einem fremden Umfeld ist es hilfreich, wenn man mit mehreren Leuten vor Ort ist“, erläutert der Schadenexperte. „Die Organisation einer Bergung ist unter diesen Umständen jedes Mal eine echte Herausforderung. Häufig ist die Situation unübersichtlich. Fremde Gepflogenheiten, unbekannte Behördenstrukturen und eine hinderliche Infrastruktur erschweren die Arbeit. Vorbereiten kann man sich darauf nur bedingt, denn eine Bergung verläuft nie normal und ist damit auch nicht planbar.“ Pantaenius und MCS verfügen jedoch über ausreichend Erfahrung und weltweit Tausende von Kontakten, um selbst in den abgelegensten Winkeln der Erde ein kompetentes Bergungsteam zusammenzustellen.

Jeder will an so einem Unfall mitverdienen

Nachdem sich Eico Ehrsam und sein Kollege einen Überblick an Ort und Stelle verschafft hatten, wurde Kontakt mit örtlichen Behörden, Taucherfirmen, Kranunternehmen und einem Umweltspezialisten aufgenommen. „Reicht die Krankapazität vor Ort, oder muss doch ein Schwimmkran aus Italien angefordert werden? Verfügt die Spezialfirma über ausreichend Ölsperren? Zu welcher Werft kann der Havarist geschleppt werden?“, zählt Eico Ehrsam nur einige der Fragen auf, die geklärt werden mussten. „Und dann gehen die Verhandlungen los“, erklärt der Schadenexperte. „Denn jeder will an dem Unfall mitverdienen. Und nicht immer verfügen die Anbieter über ausreichende Kompetenzen oder geeignetes Equipment. Da muss man erstmal die Spreu vom Weizen trennen.“

Erschwerend kam hinzu, dass Pantaenius die Zeit im Nacken saß. Die Yacht lag auf der Seeseite von St. Nikola und war damit Wind und Wellen schutzlos ausgeliefert. „Aufgrund der Wettervorhersage mussten wir schnell handeln, denn ein Sturm kann in so einem Fall zu einem Totalschaden führen“, bestätigt Eico Ehrsam.
Aus diesem Grund wurde nach erfolgreichen Verhandlungen bereits am darauffolgenden Wochenende der restliche Diesel aus den gefluteten Tanks abgepumpt – immerhin rund 3000 Liter. Kein einfaches Unterfangen, denn zuerst musste ein Zugang über das Tanktop geschaffen werden. Schon einen Tag später rückte der Schwimmkran an, um die Yacht von den Felsen zu heben. Das ging dann erstaunlich reibungslos, innerhalb von nur einer Stunde war das Schiff frei. Taucher verschlossen daraufhin notdürftig die Lecks, so dass die Yacht mit Schlepperhilfe zu einer Werft in das rund 15 Seemeilen entfernte Bar gebracht werden konnte.

Die Bergung war kostspielig, aber hat sich gelohnt

Dort steht die Yacht jetzt an Land und wird provisorisch repariert, um den Weg zur Bauwerft nach Ancona in Italien antreten zu können. Eico Ehrsam geht davon aus, dass die Bergung gut 180.000 Euro gekostet hat. Aber der Aufwand hat sich gelohnt, denn ein Totalverlust wäre bei einer Yacht im Wert von mehreren Millionen Euro weitaus kostspieliger. Deshalb ist der Schadenexperte auch sehr zufrieden mit der Arbeit. „So eine Bergung ist für alle Beteiligten immer ziemlich anstrengend. Während der Zeit vor Ort haben wir nie mehr als vier Stunden in der Nacht geschlafen. Wenn der Job dann aber getan ist, dann ist das doch immer ein gutes Gefühl.“