Wer präventiv handelt, kann auch den stärksten Orkan schadlos überstehen.

Wer präventiv handelt, kann auch den stärksten Orkan schadlos überstehen.

Mit dem Frühjahr brechen bekanntermaßen stürmische Zeiten an, und das bedeutet für Wassersportler offenkundig ein erhöhtes Gefahrenpotenzial. Ob auf See, im Hafen oder an Land – die richtige Vorbereitung ist das A und O, damit Schiff und Crew einen Sturm möglichst schadlos überstehen, weiß der Versicherungsspezialist Pantaenius.

Es sind oft die kleinen Dinge, die Großes bewirken. Ein zusätzlicher Fender hier, eine weitere Heckleine da, der regelmäßige Blick in den Wetterbericht oder der vorbeugende Check der Ausrüstung. Trotz alledem ist die Zahl an Sturmschäden immer häufiger auf unzureichende Vorbereitung und mangelhafte Seemannschaft zurückzuführen, wie Holger Flindt, Leiter der Schadenabteilung bei Pantaenius, leider feststellen muss.

„Fehlendes Verantwortungsbewusstsein gepaart mit Unwissenheit kann verheerende Folgen haben“, so Flindt. So ist vielen Wassersportlern nicht bewusst, dass sie bei Sturm auf der offenen See häufig am besten aufgehoben sind. Vor allem die unerfahrenen Skipper tendieren dazu, in solchen Fällen die Nähe zum Land zu suchen. Durch die geringere Wassertiefe bauen sich hier jedoch kurze, steile Wellen auf, die Material und Mannschaft stark belasten. Erstaunlich, aber wahr: Unter Umständen kann es sogar ratsam sein, den scheinbar sicheren Hafen bei einem angekündigten Sturm rechtzeitig zu verlassen und die Situation auf See abzuwettern. Flindt: „Ich selbst habe schon eine Marina im Mittelmeer verlassen, da hier die Yachten dicht an dicht, römisch-katholisch mit Buganker und Heckleine lagen und durch den zunehmenden Schwell ein erhebliches Risiko bestand.“

Ebenso wichtig ist die überlegte Auswahl eines Ankerliegeplatzes: Die ausreichende Entfernung zum Land ist dabei entscheidend. Ein klassisches Beispiel, wie man es nicht machen sollte, hatte Flindt im vergangenen Sommer auf dem Tisch. „20 Meter vor der Küste der kroatischen Insel Krk hat der Skipper den Anker runtergelassen“, berichtet der Schadenfachmann von Pantaenius. Das reiche vielleicht für einen kurzen Badestopp, aber keinesfalls für eine Übernachtung. „Die Stelle lag an einem vollkommen offenen Küstenstreifen und war damit ungeschützt dem herannahenden Gewitter ausgesetzt. Sämtliche Anzeichen der offensichtlichen Wetterentwicklung wurden ignoriert.“ Das Ende vom Lied: Die Segelyacht trieb auf Land und wurde stark beschädigt. Ein weiterer wichtiger Faktor ist eine intelligente Tourenplanung und -vor-bereitung. Allzu oft wird eine gründliche Einweisung der Crew vernachlässigt. Gerade bei Chartertörns sollte auf eine ausführliche Einweisung durch den Vercharterer bestanden werden, damit der ersehnte Urlaub nicht zum Himmelfahrtskommando wird. Selbst Flindt, der so etwa jeden Bootstyp kennt, nimmt sich drei bis vier Stunden Zeit, um sich mit einem fremden Schiff vertraut zu machen. Wie funktionieren die Ventile? Wo ist der Wantenschneider? Wie sieht die Sturmbesegelung aus? „Ist der Sturm erst mal da, dann ist es dafür zu spät.“

Der Yachtversicherungsspezialist weiß, wovon er spricht. Tagtäglich hat er mit den Folgeerscheinungen von Stürmen, Orkanen oder sogar Hurrikanen zu tun. So war Flindt maßgebend an der so genannten Hurrikan-Klausel beteiligt, die Pantaenius entwickelt hat, nachdem Hurrikan „Ivan“ 2004 so verheerend über Grenada gewütet hat. In der Klausel ist festgehalten, welche Maßnahmen zu ergreifen sind, wenn ein entsprechender Wirbelsturm vom National Hurricane Center in Florida (www.nhc.noaa.gov) angekündigt wird. Flindt ist sicher, dass die Hurrican-Klausel, die mittlerweile für viele Versicherer richtungweisend ist, dazu beigetragen hat, das Schadenauskommen zu reduzieren. Denn die Eigner achten jetzt viel stärker auf vorbeugende Maßnahmen, um ihren Versicherungsschutz nicht zu verlieren.
Dass man sogar außerhalb eines schützenden Hafens eine Naturgewalt wie „Ivan“ glimpflich überstehen kann, haben einige Pantaenius-Kunden bewiesen. Sie haben sich rechtzeitig eine schützende Bucht gesucht, ihr Schiff mit starkem Ankergeschirr und Festmachern in den Mangroven vertäut und abgewartet. Während in den Yachthäfen das Chaos ausbrach, hatten sie kaum Schäden zu beklagen. Flindt: „Das war gute Seemannschaft, so soll es sein.“