Zu viel Nähe schadet

Kleinere Kollisionsschäden sind bei Pantaenius an der Tagesordnung. Gerade bei An- und Ablegemanövern in den oft engen Marinas kommt es immer wieder zu Berührungen zwischen Yachten, die zum Glück meist nur Bagatellschäden nach sich ziehen. Treffen jedoch in offenen Gewässern zwei Schiffe aufeinander, dann geht es meist weniger glimpflich aus. Häufig endet hier eine Kollision mit einem Totalverlust, schlimmstenfalls sogar mit Verletzten.

Vor der türkischen Küste kollidierte beispielsweise kürzlich eine Segelyacht mit einem Landungsboot der Marine. Während der Segler schwer beschädigt wurde, kam das Marineschiff mit einigen Schrammen davon. Ähnlich ging ein Vorfall in den Niederlanden aus: Hier wurde eine Segelyacht, die unter Motor unterwegs war, von einem Handelsschiff erfasst. Der Frachter verließ gerade eine Schleuse und drückte das Segelschiff bei der Kollision unter Wasser. In beiden Fällen gab es glücklicherweise keine schweren Verletzten.

Aber warum kommt es immer wieder zu solch schwerwiegenden Kollisionen? Genug Platz zum Ausweichen war vorhanden, und auch die Sicht stellte kein Problem dar. Der Grund ist einfach zu benennen: mangelnde Seemannschaft. In beiden Fällen gab es auf den Segelyachten schlichtweg keinen Ausguck – eine Entwicklung, die die Schadenexperten von Pantaenius häufiger feststellen müssen.

Ausguck halten ist Pflicht!

Durch die zunehmende Technisierung an Bord von Freizeitschiffen werden einige Schiffsführer unvorsichtig und verlassen sich zu sehr auf die eingesetzte Bordelektronik. Gerade der zunehmende Einsatz von Autopiloten und Selbststeueranlagen verleitet immer wieder Skipper dazu, die Umgebung aus den Augen zu lassen. Da wird unter Deck gegangen, um etwas zu holen, oder einfach ein Nickerchen an Deck gemacht. Wer so handelt, der handelt grob fahrlässig. Denn Ausguck zu halten, ist Pflicht. 
 
Laut Kollisionsverhütungsregeln (KVR), Regel Nummer 5, muss jedes Fahrzeug jederzeit durch Sehen und Hören sowie durch jedes andere verfügbare Mittel, das den gegebenen Umständen und Bedingungen entspricht, gehörigen Ausguck halten, der einen vollständigen Überblick über die Lage und die Möglichkeit der Gefahr eines Zusammenstoßes gibt. Das gilt natürlich nicht nur für Segel- und Motoryachten, sondern für alle Wasserfahrzeuge wie Marine- und Handelsschiffe, Fähren oder Fischerboote. Diese verfügen zwar über modernste Technik an Bord, wie Radar, manchmal sogar Infrarot-Erkennung. Trotzdem sollten sich Sportbootführer nicht darauf verlassen, dass man von denen immer gesehen wird. Selbst die größten Frachter müssen nur einen Ausguck auf der Brücke haben, der das gesamte Umfeld im Blick halten soll. Außerdem haben solche Schiffe häufig einen sehr großen toten Winkel, in dem ein kleines Sportboot nicht ausgemacht werden kann.

Die Verantwortung des Skippers

Deshalb ist es für Crews auf Segel- und Motoryachten umso wichtiger, aufmerksam Ausguck zu halten. Denn gerade bei Kollisionen mit deutlich größeren Schiffen zieht eine kleine Yacht immer den Kürzeren. Schlimmstenfalls bemerkt es ein Tanker nicht einmal, wenn er ein kleines Sportschiff rammt, und fährt einfach weiter.

Natürlich kann ein Schiffsführer nicht durchgehend am Ruder stehen und Ausguck halten. Gerade bei längeren Törns braucht er regelmäßig eine Pause. Es liegt aber an ihm, einen geeigneten Rudergänger auszuwählen, der ihn vertreten kann. Und hier sollte der Skipper sorgfältig abwägen. Denn wenn etwas schief geht, dann trägt er die Verantwortung, auch wenn er zum Zeitpunkt der Kollision gar nicht am Ruder stand.