Auf riskantem Kuschelkurs

Schön kuschelig warm! So hat es jeder Eigner gerne in seinem Schiff. Das ist nicht nur gemütlich, sondern hält das Boot auch trocken. Beim Einsatz von Heizungen und Lüftern ist jedoch Vorsicht geboten, denn sie sind eine Gefahrenquelle, die immer wieder zu Schäden bis hin zum Totalverlust führt.

„Grundsätzlich sind Diesel- oder Gasheizungen, wie sie häufig auf Segel- und Motoryachten zu finden sind, unproblematisch“, so Holger Flindt, Leiter der Schadenabteilung des Yachtversicherungsspezialisten Pantaenius. „Vorausgesetzt sie werden richtig bedient und sind ordnungsgemäß eingebaut, und das ist leider nicht immer der Fall“, ergänzt er.

Nicht ordnungsgemäß eingebaute Heizungsanlagen können zu verheerenden Brandschäden führen.

Regelmäßig ist der Schadenexperte mit Versicherungsfällen befasst, wo die Schadenursache bei der Heizungsanlage liegt. So können schon Ölzeug oder Segelsäcke, die unachtsam vor einen Auslass geworfen werden, Schmelzschäden verursachen. Ein Knick im Lüftungsschlauch führt nicht selten zum Stau der heißen Luft. Und das bedeutet Brandgefahr, denn in der Regel bestehen die Lüftungsschläuche nur aus Pappe, die mit Aluminium kaschiert ist. Eigentlich gehört eine Zwangsentlüftung gegen einen eventuellen Luftstau heute zum Standard. Flindt hat es aber bereits häufig erlebt, dass Heizungen nur mit verschließbaren Auslässen versehen sind, sodass aufgestaute Luft nicht über andere Wege entweichen kann, wenn alle Auslässe geschlossen sind. „Auf eine funktionierende Zwangsentlüftung sollte also auf jeden Fall geachtet werden“, so sein Rat.

Viel größere Gefahr geht seiner Meinung nach jedoch vonseiten der Abgasleitung aus, denn die wird besonders heiß. „Es gab einmal den Fall, dass die Flagge am Heck abgebrannt ist, weil sie vor dem Abgasauslass hing.“, so Flindt. Aber vor allem im Schiff bietet die Abgasleitung trotz Isolierung einiges an Gefahrenpotenzial, wie die Versicherungspraxis zeigt. So können beispielsweise durch die Hitze umliegende Kabelbinder schmelzen, die Kabel fallen auf den teilweise nicht isolierten Abgasschlauch, verschmoren und ein Kurzschluss entsteht. Flindt: „Und das kann bekanntermaßen zum Brand führen.“

Beim Einbau von Heizungen ist die fachgerechte Verlegung der Heizungs- und Abgasschläuche außerhalb der Reichweite von sensiblen Komponenten deshalb sehr wichtig. Die nachträgliche Montage sollte aus diesem Grund nur vom Fachmann oder zumindest unter kompetenter technischer Anleitung erfolgen.

Nicht zu unterschätzen sind auch elektrische Heizungsanlagen, wie beispielsweise Ölradiatoren. Hier muss darauf geachtet werden, dass sie speziell für Feuchträume ausgelegt sind und über einen entsprechenden FI-Schutz gegen Kurzschlüsse verfügen. Auf jeden Fall sollte davon abgesehen werden, solche elektrischen Heizungen unbeaufsichtigt im Dauereinsatz zu betreiben, beispielsweise im Winterlager.

Die größte Gefahr geht nach Ansicht von Flindt aber immer noch von Heizlüftern aus. Die offenen Glühdrähte haben schon häufig zu Bränden geführt. „Es reicht eine Feder aus dem Daunenschlafsack, die vom Heizlüfter angesaugt und als Funken wieder ausgepustet wird“, berichtet der Pantaenius-Schadenexperte. Gerne werden Heizlüfter im Winterlager verwendet, um die Feuchtigkeit aus dem Schiff zu bekommen. „Wir hatten schon Fälle, wo vier bis fünf Heizlüfter im Dauerbetrieb an einer Steckdose hingen. Da wundert es dann nicht, dass die Stromleitung überlastet ist und ein Kabelbrand entsteht.“ Deshalb sind Heizlüfter auch nur für den kurzfristigen Einsatz zu verwenden. Bei Winterarbeiten sollte zusätzlich darauf geachtet werden, dass keine Gase – wie beispielsweise beim Laminieren – entstehen, da die sich an den Glühdrähten entzünden können. Alternativ empfehlen viele Fachhändler sogenannte Keramikheizlüfter, die durch nicht glühende Keramik-Heizelemente eine erhöhte Betriebssicherheit bieten sollen.

Grundsätzlich sollte man sich bei der Anschaffung und dem Betrieb von Heizungen und Lüfter immer vom Fachmann beraten lassen, denn bei völlig unfachmännisch installierten Anlagen kann bei Schäden im schlimmsten Fall der Versicherungsschutz verloren gehen.

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