Der Traum vom eigenen Schiff scheitert oft an Kosten und Zeitaufwand. Doch wenn man sich ein Schiff teilt, dividieren sich alle Pflichten durch die Beteiligten. Wie Eignergemeinschaften zum erfolgreichen Win-win-Modell werden, erklärt Gunnar Brock, Syndikusrechtsanwalt bei Pantaenius Yachtversicherungen, im SEGEL JOURNAL Interview

Der Traum vom eigenen Schiff scheitert oft an Kosten und Zeitaufwand. Doch wenn man sich ein Schiff teilt, dividieren sich alle Pflichten durch die Beteiligten. Wie Eignergemeinschaften zum erfolgreichen Win-win-Modell werden, erklärt Gunnar Brock, Syndikusrechtsanwalt bei Pantaenius Yachtversicherungen, im SEGEL JOURNAL Interview

Worin liegen die Vorteile einer Eignergemeinschaft?

Die Vorteile sind ganz unterschiedlich, das hängt oft auch vom Alter der Segler und den speziellen Konstellationen ab.
Wir versichern bei uns Mitzwanziger, die sich gemeinsam ein altes Schiff zu einem günstigen Preis kaufen und sich gemeinsam so den Traum vom eigenen Boot erfüllen, aber auch komplexe Time-Share Modelle neuwertiger, teurer Yachten. Allerdings ändert sich mit dem Wert des Schiffes und seiner Nutzung auch schnell die Rechtsform, unsere beiden beispielhaft genannten Mitzwanziger bilden zusammen eine Eignergemeinschaft, legen mehrere betuchte Eigner für ein luxuriöses, großes Schiff zusammen, entsteht oft eine GbR.

Für viele steht bei Bildung einer Eignergemeinschaft der wirtschaftliche Aspekt im Vordergrund. Welche Kosten lassen sich durch alle Beteiligten teilen?

So ziemlich alle Kosten, die direkt mit dem Schiff und seiner Unterbringung verbunden sind, es sei denn, es ist etwas anderes vereinbart. Das reicht von Anschaffungskosten über Unterhaltskosten wie Liegeplatz, Winterlager, notwendige Reparaturen und Neuanschaffungen bis zur Versicherungsprämie.

Unabhängig von der Möglichkeit, die Kosten auf mehrere Schultern zu verteilen – welche Vorteile hat es noch, wenn man sich ein Schiff teilt?

Die notwendigen Arbeiten am Schiff, die man gut in Eigenleistung machen kann, lassen sich mit mehreren oft schneller und mit mehr Spaß erledigen. Viele sehen ein gemeinsam genutztes Boot als Freizeit-Programm und freuen sich, daran gemeinsam zu basteln oder auch auf Tour zu gehen. Gerade für Fahrtensegler ist es attraktiv, im Rahmen einer Eignergemeinschaft das Fahrtgebiet der Yacht zu erweitern. Durch mehrere Nutzer entsteht die Möglichkeit, Kettentörns zu planen, so dass jeder in einem festgelegten Hafen das Boot übernimmt.

Für welche Segler ist eine Eignergemeinschaft sinnvoll?

Für alle, die von den eben genannten Vorteilen profitieren wollen und sich vorstellen können, mit jemand anderem gemeinsames Eigentum zu erwerben und so Rechte und Pflichten zu teilen. Das ist die Grundvoraussetzung, ohne die geht es nicht. Wer sich ein teures Schiff kaufen möchte, das die eigenen finanziellen Möglichkeiten übersteigt, kommt mit einer Eignergemeinschaft seinem Traumschiff näher. Gleiches gilt für ambitionierte Regattasegler, die Kosten und Crewmanagement gemeinsam übernehmen möchten. Doch neben der Kostenersparnis ist oft die sinnvolle Auslastung des Schiffes Hauptargument für eine Eignergemeinschaft. Ein Schiff, das die meiste Zeit am Steg liegt, verursacht nur Kosten, ein latent schlechtes Gewissen und macht keinen Spaß. 

Wie viele Eignergemeinschaften sind bei Pantaenius registriert? 

Rund sieben Prozent der bei uns versicherten Boote und Yachten.

Sollte der Partner dieser Gemeinschaft aus dem Freundeskreis kommen, oder ist eine nüchterne „Zweckehe“ unter Seglern sinnvoller?

Das hängt vor allem vom Grund für die Eignergemeinschaft ab. Je mehr das Konstrukt in ein professionell gemanagtes Modell zum Erwerb von Schiffsanteilen geht, desto weniger wichtig ist die persönliche Bindung. Im Normalfall dürfte sie aber von größerer Bedeutung sein, denn ein gemeinsam genutztes Schiff setzt Einigung und dauernde Absprachen voraus. Da hilft ein enger Austausch sehr. Aber: ohne klare Einigung über die wesentlichen Punkte von Erwerb, Umgang, Pflege, Nutzung etc. können auch Freundschaften zerbrechen, da hier sehr unterschiedliche Vorstellungen vorherrschen können, die dann zu dauerhaften Reibungen führen. 

Was sollte schriftlich im Rahmen einer Eignergemeinschaft geregelt werden?

Gerade um Streitigkeiten zu vermeiden, empfiehlt sich klar, im Vorfeld eine vertragliche Regelung festzuhalten. Denn auch hier kommt das Wort Vertrag vom Verb vertragen, und das ist es doch, was alle wollen – vor allem, wenn es um ein reines Freizeitobjekt wie ein Boot geht. In diesem Vertrag sollten folgende Punkte deutlich geklärt sein: Anteile, Verwaltung, Kostentragung, Erwerb von Ausrüstung, Nutzungsplan und die Frage, ob das Schiff an weitere Freunde verliehen oder gar verchartert werden darf. Ebenfalls geregelt werden muss, was im Fall einer Kündigung durch eine Seite passiert, wie die Gemeinschaft aufgelöst wird und was mit dem Anteil des Ausscheidenden passiert. 

Worin liegen die Tücken des Boat-Sharing?

Eines der Hauptprobleme besteht immer dann, wenn es doch Unklarheiten über die eben genannten Punkte gibt oder diese nicht schriftlich fixiert werden. Außerdem ist auch ein gemeinsam genutztes Boot den sich stetig wechselnden Lebenssituationen unterworfen, heißt, die beteiligten Partner brauchen Flexibilität und Anpassungsbereitschaft. Schnell passiert es, dass einer der beiden Partner das Boot deutlich häufiger nutzt als der andere. Problematisch wird es auch, wenn sehr unterschiedliche Vorstellungen über Pflege und Wartungsstandards vorherrschen. Darüber hinaus muss jedem Beteiligten klar sein, dass er mit dem Schiff nicht so umgehen kann, als wäre es sein Alleineigentum. Absprachen müssen getroffen werden und es sollte von vornherein geklärt sein, wie die Gemeinschaft wieder aufgelöst wird, wenn einer der Partner sich aus dem Projekt zurückziehen möchte. 

Wie groß sollte der Kreis der Personen, die sich ein Schiff teilen, maximal sein?

Das hängt extrem von dem Modell und dem Grund der Eignergemeinschaft ab. Je mehr an Verwaltung und Management in professionelle Hände abgegeben wird, desto höher kann der Anteil sein. In der Regel kümmern sich Mitglieder der Eignergemeinschaft jedoch selbst um alles, und dann ist es natürlicher einfacher, je geringer die Anzahl an Teilnehmern ist.

Wie muss ein Schiff versichert werden, dass mehreren Personen gehört?

Im Prinzip wie jedes andere Schiff auch, Kasko, Haftpflicht, Insassen-Unfall und Rechtschutz sind hier die Standard-Deckungen. Hilfreich ist jedoch eine Bevollmächtigung. Die Mitglieder der Eignergemeinschaft sollten sich verständigen, ob sich nur einer um die Versicherung kümmern soll und wie weit dessen Vollmachten gehen. Darf er die Versicherung alleine kündigen oder umstellen, darf er im Fall eines Schadens die Zahlung nur an sich verlangen? Eine Einigung hierüber im Vorfeld macht es dann in der Praxis flexibler und schneller, da nicht alle Eigner unterschreiben müssen. 

Wie wird ein Schadensfall reguliert, den nur eine Partei der Gemeinschaft verursacht hat?

Versicherungsschutz besteht für das Schiff, insofern ist auch dies versichert. Denkbar ist hier allenfalls, dass eine grob fahrlässige Verursachung eines Schadens auch gegen die anderen der Eignergemeinschaft wirkt, wenn zum Beispiel einer der Eigner die schmucke Yacht beduselt an die Pier fährt. 

Was passiert, wenn einer der Eigner mit dem Schiff zu Beginn der Saison so unglücklich auf Grund läuft, dass ein längerer Werftaufenthalt nötig wird und damit die Urlaubsplanung des anderen Eigners nicht mehr durchführbar ist?

Der geschädigte Partner, der seine Sommertour nun nicht wie geplant segeln kann, hat keinen Anspruch gegen den Verlust. Dies ist nur denkbar, wenn das Boot kommerziell genutzt wird. Pantaenius deckt jedoch die Kosten einer Ersatzyacht, wenn das Boot auf einer Reise havariert und damit für einige Zeit nicht genutzt werden kann. Dies freilich nur für eine bestimmte Höhe und zeitliche Dauer – aber zumindest die Sommertour ist so gerettet.

 
Aktuelles
Archiv
    Messe & Events
      Nordseewoche
        Rund Skagen
          WSP Gravuraktion
            Pressespiegel
              Drei Gründe