Navigationssysteme sind eine großartige Erfindung. Im Straßenverkehr haben sie erheblich zur Verkehrssicherheit beigetragen, da der Fahrer sich auf den Verkehr konzentrieren kann. In unhandlichen Straßenkarten herumzublättern, während gleichzeitig das Auto gelenkt, auf den Verkehr, die Straßenführung und Schilder geachtet werden muss – das war schon ein gefährliches Abenteuer.

Auch in der Sportschifffahrt gehört moderne Navigationselektronik mittlerweile zum Standard: Einige Schiffsführer segeln nur noch nach Displays und Wegepunkten und verlassen sich ausschließlich auf die Technik, wie die nachfolgenden Schadenfälle anschaulich belegen.

Mit 22 Knoten einen Leuchtturm getroffen

Erst kürzlich kollidierte ein Motorboot mit 22 Knoten Speed frontal mit einem Leuchtturm. Bei der Untersuchung des Unfalls kam heraus, dass der Skipper tatsächlich den Leuchtturm als Wegepunkt in den Plotter eingegeben und dann auf Autopilot gestellt hatte.

Ähnlich war es bei einem Fall in der Türkei, wo ein Segelschiff unter Motor bei helllichtem Tag, guter Sicht und flacher See mit einem anderen Seeschiff kollidierte, das Wegerecht hatte. Auch hier hatte der Eigner einfach den Autopiloten angemacht. Der Schaden ging in die Hundertausende, zum Glück gab es keine Verletzten. Eigentlich ist das Verhalten in beiden Fällen schon grob fahrlässig, denn was viele vergessen: Ein Ausguck ist Pflicht.

Bis zu 200 Meter Abweichung im GPS-System

Auch die Zahl der Grundberührungen steigt. Elektronische Seekarten basieren im Grunde auf großräumigen Seekarten der Berufsschifffahrt und sind entsprechend zum Navigieren auf engem Raum nicht ideal geeignet. Hinzu kommt, dass immer eine gewisse Ungenauigkeit bei der Positionsbestimmung des GPS-Systems einkalkuliert werden muss. Das können auch heute noch bis zu 200 Meter Unterschied sein. Ebenso kann eine schlechte Satellitenkonfiguration zu Abweichungen führen. Wer sich unter diesen Umständen in den schwedischen Schären ausschließlich auf seinen Plotter verlässt, der sitzt schnell auf einem Stein.

Trotzdem ist moderne Navigationselektronik gerade im großflächigen Raum und bei langen Strecken hilfreich und sinnvoll – wenn sie denn richtig angewendet wird. Sie ist ein Hilfsmittel und kein Ersatz für aufmerksames Navigieren und gute Seemannschaft. Papierseekarten gehören immer noch zur Pflichtausrüstung, entsprechend sollte man auch wissen, wie ohne Bordelektronik navigiert wird, falls sie ausfällt.“

Berichtigungen der Seekarten werden oft vergessen

Sowohl bei elektronischen als auch bei Papierkarten muss außerdem darauf geachtet werden, dass regelmäßig Aktualisierungen beziehungsweise Berichtigungen vorgenommen werden. Das wird häufig versäumt. Im besten Fall wundert sich der Navigator nur darüber, dass die Seezeichen in seiner Karte nicht mit seinen Beobachtungen übereinstimmen. Aber durch Wracks oder in starken Tidengewässern kann es schnell zu neuen Untiefen kommen. Und dann besteht die Gefahr einer Grundberührung.“

Die Entscheidung, ob ein Eigner für sein Sportboot tatsächlich ein Radargerät benötigt, hängt überwiegend von dem bevorzugten Fahrtgebiet ab. In stark befahrenen Gebieten, in denen außerdem häufig Nebel die Sicht behindert, wie zum Beispiel dem Englischen Kanal oder der Straße von Gibraltar, ist ein Radar an Bord sicher angebracht. Es erfordert allerdings einige Übung, um mit der ungewohnten Darstellung gut zurechtzukommen. Die Visualisierung des Seeverkehrs über das Automatische Identifizierungssystem (AIS) ist da deutlich besser. Allerdings sind diese Systeme in der Freizeitschifffahrt noch relativ selten.