Achtung, die Ausräumer kommen!

Diebstahlserie von fast 50 Außenbordern an bayerischen Seen aufgeklärt.

Von Gernot Apfelstedt

Die deutsche Diebstahl-Statistik 2010 zeugt – so ist in BOOTE 5/11 nachzulesen – von Boots- und Motorenklau auf nahezu unverändert hohem Niveau: 327 Boote und 1141 Außenborder – bundesweit. Sieht man sich die Diebstahlzahlen in den einzelnen Ländern an, fallen teilweise dramatische Verschiebungen auf. Ist bei einigen durchaus eine Wende zum Positiven zu erkennen, so ist der Anstieg der Außenborderdiebstähle in Bayern von 12 im Jahr 2009 auf 109 geradezu alarmierend. Eine Steigerung um das Neunfache!

So wurden am Chiemsee zwischen dem 22. Mai  und 11. September 2010 insgesamt 49 Diebstähle von Außenbord-Motoren gemeldet. Besonders im August machten sich finstere Gesellen an Steganlagen bayerischer Seen zu schaffen. Chronik des Schreckens für die betroffenen Bootsleute: Im Hafen Madl in Feldwies/Übersee verschwanden  zwischen dem 1. und 22. August fünf Außenborder. Am Morgen des 4. August fehlten im  Gemeindehafen Seebruck bei acht Booten die Motoren am Spiegel. Zwischendurch machten die Langfinger einen Abstecher an den Starnberger See, wo sie in der Nacht zum 11. August in der Marina Bernried gleich 19 Außenborder abmontierten. Bei der Beute handelte es sich vor allem um die Marken Yamaha, Mercury, Honda, alle zwischen 3 und 8 PS, sowie Elektromotoren (Motorguide, Torqueedo).

Fingerabdruck: Einer der zwölf geklauten Außenborder in dem Citroën Jumper war graviert.Eine Hiobsbotschaft folgte der anderen. Auch wenn es zunächst keinerlei Hinweise auf die Täter gab, nahm das Kommissariat 10 der Kripo Traunstein, zuständig für organisierte Kriminalität, die Ermittlungen in die Hand. Denn es lag nahe, dass man es hier mit einer Bande zu tun hat.

Doch die Beweislage sollte sich bald ändern – durch einen Volltreffer österreichischer Kollegen. Am 18. August um 5.20 Uhr stoppten Angehörige der Grenzpolizeiinspektion Nickelsdorf rund 70 km südöstlich von Wien am ehemaligen Grenzübergang nach Ungarn einen Citroën Jumper. Zum Vorschein kamen zwölf Außenborder, für die die beiden ungarischen Fahrzeuginsassen im Alter von 29 und 31 Jahren keine glaubhaften Eigentumsnachweise vorlegen konnten.

Die wahre Herkunft der Motoren konnte mithilfe des Kompetenzzentrums Bootskriminalität in Konstanz, zu dem die Kripo Traunstein seit Jahren enge Kontakte unterhält, rasch geklärt werden: Sie waren nur wenige Stunden zuvor von einer Steganlage (Fischer am See) in Prien am Chiemsee entwendet worden. Wie so oft, hatten die rechtmäßigen Eigner den Verlust noch gar nicht bemerkt.

Während die beiden Ungarn acht Monate in Untersuchungshaft saßen, sicherte die Kripo Traunstein Spur um Spur, die auf einen Zusammenhang der Seriendiebstähle hindeutete. Und die beiden Ungarn gaben scheibchenweise zu, was sich nicht länger leugnen ließ. Die gestohlenen Motoren wollen sie auf dem ungarischen Markt sowie über das Internet verkauft haben. Über mögliche Hintermänner ließen sie sich

– wohl zu ihrem eigenen Schutz
– nichts entlocken.

Haftstrafen für die Diebe

Dennoch reichten die Beweise fürs Amtsgericht Traunstein aus, um die beiden Ungarn wegen gewerbsmäßigen, schweren Diebstahls zu zwei Jahren beziehungsweise einem Jahr und acht Monaten Haft zu verurteilen – jeweils auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Ironie am Rande: Einer der Täter betrieb eine Website für seine „Ausräumer-Firma“, die im Internet allerdings nur das Entrümpeln von Wohnungen und ähnliche legale Dienstleistungen anbot. Vom „Ausräumen“ von Häfen war natürlich keine Rede ...

Quelle: boote 6/11

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